Dürfen Führungskräfte Schwäche zeigen?

Statement von Reinhild FürstenbergDSC_1648_UteBîsch

Wer Schwäche zeigt, kann die Unternehmenskultur verbessern

  • Führungskräfte, die zu Fehlern stehen, ernten besonderes Vertrauen
  • In Ihrer Vorbildfunktion sind sie gefordert, reflektiert und verantwortlich mit dem Thema umgehen

Wenn Führungskräfte ihre vermeintliche Unvollkommenheit nicht zeigen, steht dahinter oft die Angst vor dem, wie sie von anderen gesehen werden. Und das zu Recht: Ständig werden sie bewertet und gemessen, von der Geschäftsführung, von Aufsichtsräten oder Aktionären, und auch von ihren Mitarbeitern für ihren wirtschaftlichen Erfolg und ihre Performance. Damit stehen sie unter enormem Druck – je höher in der Hierarchie, desto höher ist der Druck. Wenn eine Führungskraft persönliche Schwächen zeigt, stellt sich schnell die Frage, ob er oder sie noch geeignet ist, weiterhin den hochverantwortlichen Aufgaben Rechnung zu tragen.

Auch für Chefs gilt: Kein Mensch ist unfehlbar

Doch all das sind im Arbeitsalltag fast immer nur tiefsitzende Befürchtungen, denn in der Regel passiert das Gegenteil: Führungskräfte ernten Vertrauen, wenn sie die Courage besitzen, zu zeigen, dass sie „auch nur Menschen sind“. Dass sie nicht immer nur stark sind und ihnen auch Fehler unterlaufen oder sie gesundheitlich angeschlagen sind. Und dass sie die Verantwortung dafür übernehmen. In dem Moment verwandelt sich ihre vermeintliche Schwäche in eine Stärke. So entschuldigte sich kürzlich ein Top-Manager eines großen Konzerns bei seiner Belegschaft dafür, dass eine wichtige Veranstaltung aufgrund seiner Fehlplanung schief gelaufen ist. Er erntete Beifall, weil er authentisch war und zu seinen Fehlern stand. So hatte sein „Versagen“ sogar einen Lerneffekt für das Unternehmen.

Mit ihrem Verhalten prägen Führungskräfte unter anderem die Vertrauens- und Fehlerkultur ihres Unternehmens. Wenn sie offen mit ihren Fehlern umgehen und diese reflektieren, wenn sie zeigen, dass auch sie an Grenzen kommen, zeigen Sie damit indirekt auch den Mitarbeitern, dass das sein darf. So kann eine Kultur wachsen, in der Mitarbeiter darauf vertrauen können, dass sie sich nicht als vermeintlich perfekt zeigen müssen, um anerkannt oder wertgeschätzt zu werden.

Fehler oder Schwächen sollte man als Ansporn im Leben sehen

Je mehr Mitarbeiter sich entspannt so geben können, wie sie sind, und sich nicht anstrengen müssen, sich bestmöglich zu präsentieren, desto mehr wirkt sich das auf die Motivation, Leistungsfähigkeit und Gesundheit aus. Aus Fehlern kann man bekanntlich viel lernen. Eine Kultur in der sogenannte Schwächen dazugehören und als selbstverständlich betrachtet werden, sind dadurch überdurchschnittliche Lerneffekte und Weiterentwicklungen möglich.

Die Kunst liegt für viele Führungskräfte darin, sich für das, was sie an sich selbst als Schwäche bewerten, nicht zu verurteilen oder zu verleugnen, sondern dazu zu stehen und professionell damit umzugehen. Fehler oder andere Schwächen sollte man als Ansporn und besondere Aufgabe im Leben sehen – denn diese passieren so oder so und jedem. Aufgrund ihrer Rolle und ihrer Vorbildfunktion sind Führungskräfte nur besonders gefordert, reflektiert und verantwortlich mit ihren sogenannten Schwächen umzugehen – und dadurch wahre Stärke zu zeigen.