Loslassen lernen

Befreiung statt Widerstand

Konflikte und Veränderungen kreuzen immer wieder unseren Lebensweg und können zu Irritationen, gemischten Gefühlen, Überforderungsmomenten und schlaflosen Nächten führen oder andere Auswirkungen haben.

Vielleicht kommen Ihnen diese Beispiele aus dem Alltag bekannt vor:

„Ich habe eine neue Chefin, der ich es beweisen will. Sie hat bei unserem ersten Treffen gesagt, dass sie nur Gutes von mir gehört hat. Ich darf sie jetzt nicht enttäuschen und keine Fehler machen.“
„Mein Kollege wird von unserem Chef bevorzugt. Die beiden halten des Öfteren im Flur ein Schwätzchen, während ich hier sitze und mich abschufte. Ich werde völlig übersehen und mein Kollege kann machen was er will, alles kommt beim Chef gut an – wie ungerecht!“
„Seit Monaten habe ich das Gefühl nur noch wie eine Maschine zu funktionieren. Ich bin voll berufstätig und habe zwei Kinder zuHause, die viel abverlangen. Zudem will ich alles unter einen Hut bringen, wobei meine eigenen Bedürfnisse total auf der Strecke bleiben. Mein Akku ist so gut wie leer.“
Kennen Sie ähnliche Situationen aus Ihrem Leben?

In den oben genannten Äußerungen geht es darum, anderen gefallen zu wollen, das Gefühl zu haben sich maximal anstrengen zu müssen, perfekt oder fehlerfrei sein zu wollen, stark sein zu müssen oder in kurzer Zeit viel erreichen zu wollen.

Diese „inneren Antreiber“ (Eric Berne) sind in vielen Situationen hilfreich und wirken oft als Motor, um Ziele und Lebensstile erfolgreich umzusetzen. Doch genau diese Denk- und Verhaltensweisen, können uns in Belastungssituationen auch ausbremsen und zu Fall bringen. Sie haben sich als Glaubenssätze in uns verankert.

Um davon loszukommen, sollten wir versuchen die Situation anzuerkennen und falsche Glaubenssätze loszulassen, anstatt sich selbst fertig zu machen. Das heißt nicht, dass wir „uns fügen müssen“. Es bedeutet, dass wir uns klar machen können, dass es für den Moment keine andere Realität gibt und wir ein Verständnis dafür bekommen, warum wir gerade jetzt im „Stress“ sind (Poletti/Dobbs: Akzeptieren, was ist. Loslassen und inneren Frieden finden). Dies vereinfacht den Umgang mit der jeweiligen Herausforderung und lässt uns reifen.

Es hilft sich zu fragen „WOFÜR“ ist das jetzt gerade gut? Nicht an dem „WARUM“ festzuhalten. Wir sollten uns wieder auf die Gegenwart konzentrieren, nicht zu sehr an der Vergangenheit festhalten oder in der Zukunft schweben. Es besteht oftmals die Option die Situation zu verändern und wenn nichts mehr möglich ist, das Unveränderbare anzunehmen. Wir können üben, mehr Vertrauen in uns selbst und andere zu legen und versuchen uns deutlich zu machen, dass wir uns immer nur selbst ändern können und nicht den/die anderen. Es ist unnötige Mühe, lange im Widerstand zu verharren oder uns ständig mit negativen Gedanken herumzuquälen.

Geduld mit uns und anderen zu üben und nach Lösungen Ausschau zu halten erweist sich meistens als die gesündere Alternative.

Wenn wir beschließen, dass der innere Friede und unsere Gelassenheit uns wichtiger sind und wir das Leben nicht voll und ganz kontrollieren können, ist schon ein großer Entwicklungsschritt getan.

Anleitungen zum Loslassen (5 Freiheiten nach Virginia Satir):

  • Akzeptieren was ist – hören und sehen was da ist
  • Sagen, was man denkt und fühlt, anstatt den Erwartungen anderer nachzugehen
  • Zu den eigenen Gefühlen stehen, anstatt vorzutäuschen
  • Bedürfnisse und Wünsche mitteilen, anstatt abzuwarten
  • Auch mal Risiken eingehen, anstatt ausschließlich auf Sicherheit zu setzen und nichts Neues zu wagen

Dies alles können wir lernen, wenn wir es wollen. Dafür ist es hilfreich, sich selbst mit den eigenen Themen auseinanderzusetzen oder auch Berater/innen hinzu zu ziehen.

 

Praktische Tipps für den Einzelnen:

  • Gedanken und Gefühle aufschreiben (z. B. in Form eines Tagebuchs)
  • Arbeit mit Glaubenssätzen
  • Entspannungsübungen
  • Visualisierung/Mentaltraining
  • Achtsames Atmen
  • Meditationsübungen

 

Praktische Tipps für Teams/Gruppen:

  • Anti-Stress-Training
  • Mediation
  • Teambildungsmaßnahmen

 

 

 

Autorin:
Raphaela Lohschmidt
Externe Mitarbeiterberatung

 

 




 

 

Lesetipp: Akzeptieren, was ist – Achtsam leben
Loslassen und inneren Frieden finden
Rosette Poletti & Barbara Dobbs







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