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Ich dachte, dass es keiner merkt ...

Interview mit Alex B., alkoholabhängig

Herr B., Sie bezeichnen sich als alkoholabhängig. Woran haben Sie gemerkt, dass Sie abhängig sind?

 Also erstmal habe ich das gar nicht gemerkt. Meine Frau, meine Kinder und sogar meine Kollegen wussten schon lange Bescheid, dass ich ein Alkoholproblem habe, als ich mir noch immer selbst eingeredet habe, dass mein Alkoholkonsum ganz normal ist. Aus meiner Sicht hatte ich ja immer Gründe, weshalb ich getrunken habe, zum Beispiel weil ich mich über meine Frau oder meinen Chef aufgeregt habe. Oder es war einfach mein wohlverdientes Feierabendbier.

Und was war dann der Auslöser, dass Sie „einsichtig“ wurden?

Das war ein Gespräch in unserer Firma. Als ich ins Büro kam, saßen dort neben meinem Chef unser Betriebsrat und eine Personalreferentin. Ich war wie vom Donner gerührt. Sie haben mir die Pistole auf die Brust gesetzt: wenn ich nicht mein Alkoholproblem löse, riskiere ich meinen Arbeitsplatz. Auf meine Erklärungen sind sie gar nicht eingegangen, sie wollten Taten sehen. Ich bin dann nur, weil ich Angst hatte, meinen Job zu verlieren, in eine Kurzzeittherapie gegangen. In der Therapie wurde mir dann nach und nach klar, was überhaupt mit mir los war. Sie glauben gar nicht, wie sehr ich mich am Anfang geschämt habe für all das, was ich im „besoffenen Kopf“ gemacht habe, das war kaum auszuhalten. In der Therapie konnte ich dann aber einen großen Teil davon aufarbeiten.

Gab es einen Schicksalsschlag in Ihrem Leben oder was waren die Hauptgründe, die zu Ihrer Abhängigkeit geführt haben?

Ich hatte ein ganz normales Leben, bin auf dem Land behütet groß geworden. Schon in meiner Jugend war es so, dass wenn ich mit meinen Freunden gefeiert habe, ich oft die Grenze nicht gefunden habe. Gefeiert habe ich schon damals fast jedes Wochenende und später habe ich dann auch in der Woche abends getrunken und so wurde es langsam immer mehr. Zwischendurch habe ich mal aufgehört, um mir zu beweisen, dass ich keinen Alkohol brauche, um danach beruhigt weiter zu trinken. Also kurz gesagt: Ich glaube, ich bin einer von denen, bei denen die Bremse im Gehirn, die gesunden Menschen sagt „Jetzt musst du aufhören“, kaputt ist – auch wenn sie wiederum manchmal funktioniert.

Wie haben sich Ihre Kollegen verhalten?

Sie haben leider nichts gesagt, bis auf kleine Bemerkungen – was ich aber auch gut verstehen kann. Deshalb war ich in dem festen Glauben, dass es keiner merkt. Nur einmal hat mich eine Kollegin zur Seite genommen und meinte, dass ich eine Alkoholfahne habe. Daraufhin habe ich ihr meine Hustentropfen gezeigt und noch mehr Pfefferminz gegessen. Ehrlich gesagt, war ich überhaupt nicht ansprechbar auf dieses Thema, ich habe alles abgewehrt und geleugnet. Und meine Arbeit habe ich auch nicht mehr wirklich gut geschafft.

Was wäre am Arbeitsplatz für Sie hilfreich gewesen?

Eine klare und konsequente Ansprache – letztlich das, was mein Chef mit mir in dem Gespräch gemacht hat. Es wäre nur klasse gewesen, wenn dieses Gespräch schon fünf Jahre früher stattgefunden hätte.

Haben Sie noch eine Empfehlung für die Führungskräfte, die diesen Newsletter lesen?

Ja: Wenn Ihnen ein Mitarbeiter wegen Alkohol auffällt, können Sie davon ausgehen, dass er ein ernsthaftes Alkoholproblem hat. Lassen Sie sich nicht täuschen, auch wenn Ihr Mitarbeiter alles abstreitet. Wenn Alkohol Probleme macht, ist Alkohol das Problem Nr. 1, das vor allen anderen Problemen gelöst werden muss.

Vielen Dank!

 

Das Interview führte Kirsten Friedrich,
Marketing und Unternehmenskommunikation, Fürstenberg Institut.



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