weibliche Führungskraft

Welche Führungskompetenzen braucht es im Coronaherbst?

Corona geht in die nächste Runde. Führungskräfte stehen vor der Herausforderung, ihre Teams weiterhin motiviert und mental stabil zu halten.

von Reinhild Fürstenberg

 

Mit diesen 5 Führungskompetenzen sind Sie gut gewappnet für die kommenden Monate

 

Zuversicht zeigen und Sicherheit vermitteln

„Es wird gut – sowieso“, diese Zeile eines deutschen Popsongs sollte Ihre Leitlinie in diesem Herbst und Winter werden. Sie haben es in der Hand, das Beste aus Ihrem Team herauszuholen, um Ihren Beitrag dazu zu leisten, dass Ihr Unternehmen gut durch die Krise kommt. Das wird nur gelingen, wenn Sie selber davon überzeugt sind, es zu schaffen.

Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden Ihrem Beispiel folgen. Je klarer und transparenter Sie führen, je mehr Zuversicht Sie ausstrahlen, je berechenbarer und nachvollziehbarer Ihr Führungshandeln vom Team erlebt wird, zum Beispiel indem Sie das einhalten, was Sie ankündigen, je offener und regelmäßiger Sie kommunizieren und Ihre Mitarbeiter*innen mit einbinden – umso sicherer werden auch diese sich fühlen und umso erfolgreicher werden die Teamergebnisse ausfallen.

 

Wertschätzung und Vertrauen schenken

Ihre positive Erwartung an die Intentionen und das Handeln der Mitarbeiter*innen, Ihre Fähigkeit, zu vertrauen, wird wichtiger denn je. Führungskräfte bekommen in Wirklichkeit auch unabhängig von der „neuen Normalität“ nur sehr wenig davon mit, was die Teammitglieder tun. Sind alle im Büro, entsteht die Illusion, kontrollieren zu können, ob produktiv gearbeitet wird. Ersetzen Sie das Kontrollbedürfnis durch eine gesunde, vertrauensvolle Haltung: Unterstellen Sie, dass Ihre Mitarbeiter*innen leistungswillig und motiviert sind, die gemeinsamen Ziele zu erreichen.

Zeigen Sie Wertschätzung. Das geht auch virtuell. Gehen Sie auf die Menschen im Team zu, hören Sie zu, sagen Sie, was Sie gut finden, loben Sie! Wenn Beschäftigte den Eindruck haben, ihr Beitrag sei nicht identifizierbar und würde von der Führungskraft nicht gewürdigt, nimmt die Motivation ab.

Durch fehlende Face-to-Face-Kontakte kann ein Gefühl der Anonymität entstehen. Die fehlende soziale Kontrolle verringert auf Dauer die Identifikation mit Kolleg*innen im Team und kann die Ziele beeinträchtigen („Arbeiten denn die anderen?“).

Um dem vorzubeugen, stellen Sie – am besten gemeinsam – verlässliche Regeln für die Zusammenarbeit auf, die für alle gelten. Berufen Sie regelmäßige Meetings zum Austausch ein. Lassen Sie Ihr Team auch wissen, wann Sie informiert werden wollen, wenn es Schwierigkeiten gibt, und stehen Sie im Fall der Fälle hinter der betroffenen Person.

 

Flexibilität und Offenheit für Diversität erlernen

Jeder erlebt die Coronazeit anders. Manche Menschen fühlen sich bedrückt, sind verzagt, andere genervt von Einschränkungen, wieder andere erleben Entspannung und Entschleunigung. Sie müssen die Sorgen Ihrer Mitarbeiter*innen nicht teilen, aber nehmen Sie sie unbedingt ernst. Seien Sie offen dafür, dass es weiterhin unterschiedliche Lebenssituationen mit verschiedenen Herausforderungen gibt. Weisen Sie wenn möglich auf Hilfs- oder Gesprächsangebote im Unternehmen hin, wenn Sie das Gefühl haben, eine Person aus Ihrem Team ist mental belastet. Machen Sie trotz aller Liebe zu Diversität deutlich, welche Regeln für das Team in der Coronazeit gelten, und schaffen Sie so für alle einen Rahmen der guten Zusammenarbeit. Vereinbarungen über Erreichbarkeit, Anwesenheit und Weitergabe von Kontaktdaten helfen dabei ebenso wie klare Regeln zur Dokumentenablage oder zum Umgang mit Konflikten. Auch eine regelmäßige gemeinsame Reflexion der Zusammenarbeit kann hilfreich sein.

Trainieren Sie jetzt schon Ihre (geistige) Flexibilität. Vielleicht müssen Sie wieder spontan auf neue Anforderungen oder Umstände reagieren, beispielsweise wenn doch ein Coronafall im Team auftritt und alle in Quarantäne müssen. Vielleicht braucht es nicht immer einen bis ins kleinste Detail durchdachten Plan B, wichtig ist aber in jedem Fall die Bereitschaft, sich schnell an neue Umstände anzupassen und auch mal vom ursprünglich Geplanten abzuweichen.

 

Medien- und Digitalkompetenz auf- und ausbauen

Die Fähigkeit, Medien und ihre Inhalte den eigenen Zielen und Bedürfnissen entsprechend sachkundig zu nutzen, wird an Schulen und Universitäten immer noch zu wenig vermittelt. Digital Natives kennen sich zwar mit vielen Features einzelner Tools aus, doch allein das Beherrschen der Technik macht noch keinen guten virtuellen Führungsstil aus.

Eine der Kernfragen, die sich eine Führungskraft bei digitalen Konflikt- oder intensiven Vier-Augen-Gesprächen stellen sollten, ist: Wie sieht wohl die Situation gerade von der anderen Seite der „Leitung“ aus? Die Antwort auf diese empathische Frage hilft, so manche kommunikative Mauer zu überwinden und ein gutes Ergebnis herbeizuführen.

Auch bei allgemeinen Austausch- oder Abstimmungsrunden hilft es, Medien situationsgerecht auszuwählen und ein Set der gängigen Konferenztools, wie MS Teams, Zoom oder Skype, sicher bedienen zu können. Bevor Sie ein virtuelles Meeting einberufen, stellen Sie sich die Frage: Was möchte ich tun? Welches Tool unterstützt mein Ziel? Was muss ich bedenken? Wollen Sie „nur“ informieren und präsentieren oder Feedback einholen und diskutieren? Reicht es, den/die anderen zu hören, oder möchte ich Reaktionen sehen? Braucht es eine Abstimmung oder Vorschläge für ein Brainstorming? Es gibt eine Reihe auch weniger bekannter Softwarelösungen, mit denen Sie schnell an Ihr Ziel kommen.

Überlegen Sie auch, wie Sie – im Team – mediengerechtes Verhalten trainieren wollen. Gerade wenn Ihre Mitarbeiter*innen viele externe Kontakte haben, lohnt es sich, Zeit in einen Exkurs zu Kameraeinstellung, Beleuchtung, Kleidung oder Bildhintergrund zu investieren. Auch für Videocalls gilt: 83 Prozent aller Informationen nehmen Menschen allein über die Augen wahr.

 

Selbstmanagement etablieren

Als Führungskraft wissen Sie sich selbst und andere gut zu managen. Fördern Sie diese Kompetenz auch in Ihrem Team. Bemühen Sie sich, Vorbild zu sein in Bezug auf Arbeitsorganisation, Ziele, Zeitmanagement, Selbstmotivation, Stressmanagement und Emotionsregulation. Unterstützen Sie durch die Bereitstellung von Arbeitsmitteln, bieten Sie wenn möglich die Teilnahme an (digitalen) Weiterbildungen zum Selbstmanagement an und teilen Sie eigene Erfolgsgeschichten zum Thema.

Wer sich selbst gut steuern kann, benötigt Disziplin in der Kontrolle von Ablenkung und gute Routinen. Ermutigen Sie jedoch auch zur Selbstfürsorge und leben Sie diese vor.

 


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