Fernbeziehung

Fernbeziehungen - Chancen und Belastungen

 

Schon Revolverheld textete: „Ich hasse diese Liebe auf Distanz…..ich bin in deiner Stadt Tourist, der nie wirklich zuhause ist…die Wochen zwischendurch sind viel zu lang, das Telefon, das macht uns nur noch krank.“ Zahlreichen Paaren spricht Sänger Johannes Strate aus der Seele. Kaum ein Ort, an dem Freude und Sehnsucht sowie Trauer und Abschied so nah beieinander liegen wie auf Bahnsteigen und an Flughäfen. 

Rund zehn Prozent aller Paare (laut Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung) leben in einer Fernbeziehung und warten sehnsüchtig auf den Freitagabend, bevor bereits am Sonntagmorgen wieder der Abschiedsschmerz beginnt. Was jedoch auf den ersten Blick kompliziert und anstrengend scheint, hat auch Vorteile und wirkt sich auf den Bestand von Partnerschaften nicht zwangsläufig negativ aus, wenn bestimmte Regeln beachtet werden (siehe unten). Laut einer Studie des Bundesinstituts mit 12.400 Personen über einen Beobachtungszeitraum von drei Jahren hatte mehr als die Hälfte der Partnerschaften Bestand. Nur 15 Prozent der Beziehungen scheiterten und ein Drittel zog sogar in eine gemeinsame Wohnung.

Fernbeziehungen erfordern jedoch eine gewisse Konstitution der Partner – wer beispielsweise ein großes Bedürfnis nach direkter körperlicher Nähe hat, für den ist sie unter Umständen nichts. Neben den Grundvoraussetzungen, wie Toleranz, Vertrauen und eine sehr gute Kommunikation, die für jede Beziehung gelten, verlangen Fernbeziehungen je nach Entfernung zusätzlich einen hohen logistischen, zeitlichen und finanziellen Aufwand. Andererseits bieten sie aber auch mehr Zeit für sich selbst, man kann sich leichter verwirklichen, Partnerschaft und Beruf klar trennen sowie mehr Freiheiten genießen.

Oftmals scheitern Fernbeziehungen nicht an der Ferne, sondern an der Nähe

Ziehen Paare nach einer jahrelangen Fernbeziehung erstmals zusammen, wird es manchmal heikel. Oftmals laufen Fernbeziehungen recht gut und scheitern letztendlich nicht an der Ferne, sondern an der Nähe. In Fernbeziehungen lässt sich vieles verbergen, was erst zum Vorscheinen kommt, wenn man zusammenzieht. So werden viele von den „Macken“ ihres Partners überrascht, die sie so noch nicht kannten und die im Alltag störend wirken können. So entpuppen sich manche Traumprinzen und –prinzessinnen vielleicht in der gemeinsamen Wohnung als Morgenmuffel oder Ordnungsfanatiker. Wichtig ist, den Wechsel von nah auf fern entsprechend behutsam anzugehen, nicht sofort ins große „Wir“ zu springen, sondern sich zunächst weiterhin genügend Freiraum zu geben. Es gilt, der Veränderung positiv und offen gegenüber zu sein – kleine Reibereien gibt es auch, wenn man aus zwei getrennten Wohnungen innerhalb derselben Stadt zusammenzieht. Wichtig ist außerdem, immer wieder wertzuschätzen, was man am Partner hat, und sich zu freuen, gemeinsam den nächsten Schritt zu gehen.

 

 

Tipps für eine gelingende Fernbeziehung

 

  1. Kommunikation, Vertrauen und gemeinsam Probleme lösen lernen ist für jede Beziehung wichtig. In Fernbeziehungen kommt jedoch oft die direkte Kommunikation zu kurz. Kritische Themen werden aufgeschoben, um die kurze gemeinsame Zeit möglichst stressfrei zu gestalten. Vermeiden Sie es, wichtige Themen aufzuschieben, oftmals wiegen diese in der getrennten Zeit noch stärker. Bleiben Sie über Positives wie Negatives in Kommunikation mit Ihrem Partner.
  2. Schaffen Sie ein Wir-Gefühl und pflegen Sie Rituale. Auch wenn ein Wochenende nur 48 Stunden hat, kann man den Wocheneinkauf zusammen erledigen und dabei gleichzeitig überlegen, was abends Leckeres gekocht wird, oder ein neues gemeinsames Hobby ausprobieren.
  3. Planen Sie sich Zeit-Inseln ein für Spontaneität und Nichtstun, um ein wenig Normalität in die Beziehung zu bekommen. Es muss nicht ein exklusiver Moment dem nächsten folgen.
  4. Zeigen Sie sich, dass Sie auch getrennt ein Team sind. Informieren Sie Ihren Partner über Ihren Alltag, binden Sie ihn in die täglichen Freuden, Sorgen und Entscheidungen ein. Geben Sie ihm ausreichend Präsenz, indem Sie ihn in Gesprächen mit Freunden und Kollegen erwähnen etc.
  5. Sehen Sie das Positive Ihrer Partnerschaftsform und nutzen Sie die Möglichkeiten, wie Ihren Freiraum und Ihre Spontaneität. Gestalten Sie sich auch die Zeit „allein“ schön, achten Sie auf sich und tun Sie, was Ihnen guttut und Freude macht und versuchen Sie, nicht nur von Wochenende zu Wochenende zu leben. 
  6. Verfolgen Sie eine gemeinsame Zukunftsperspektive. Stellen Sie sich die Frage, wie und wo wollen wir in zwei Jahren leben und seien Sie dabei ehrlich und offen. Nichts ist schlimmer, als wenn der eine Partner nichts sehnlicher herbeiwünscht als schnellstmöglich zusammenzuziehen und der andere noch in zehn Jahren in getrennten Städten leben möchte.

* Für die Inhalte der Website sowie den Podcast ist die Redaktion des SWR verantwortlich.


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