was hilft

Wir haben nachgefragt: Das entlastet in schwierigen Zeiten!

Was brauchen wir, wenn wir uns belastet fühlen? Wie gehen andere Menschen mit Krisenzeiten wie der jetzigen um? Mehr denn je ist unsere Solidarität mit anderen Menschen gefordert und es ist eine Gemeinschaftsaufgabe, dass wir alle gut durch belastete Zeiten hindurch kommen. Lesen sie hier, was Menschen in ganz verschiedenen Lebenssituationen uns dazu berichtet haben. 


Die aktuelle Situation betrifft jeden. Wir alle werden mit ungewohnten, teils ungeliebten Einschränkungen und Gefühlen konfrontiert, müssen uns anpassen und nach kreativen Lösungen für unseren neuen Alltag suchen. Das individuelle Erleben ist dabei abhängig von der jeweiligen Lebenssituation. Schüler*innen, Senior*innen, Singles, Paare, Alleinerziehende … . Die Bandbreite ist groß . Doch das Gefühl, mit all dem alleine zu sein, nimmt immer mehr zu. Mehr denn je ist gerade jetzt unsere Solidarität mit anderen Menschen gefordert. 

Wir brauchen den gemeinsamen Austausch, das Zuhören und die gegenseitige Fürsorge, damit wir alle gut durch diese belastenden Zeiten kommen. Wie gehen andere mit der Krise um, was brauchen sie und wie kann man vielleicht sogar etwas Gutes in dieser Krise sehen?  In den folgenden Interviews haben wir mit Menschen verschiedenen Alters und in unterschiedlichen Lebensumständen gesprochen und dabei erfahren, wie sie die aktuelle Zeit erleben und was ihre Lichtblicke sind. 
 

Die Interviews wurden mit dem Einverständnis der Betroffenen anonymisiert. Die folgenden Bilder zeigen nicht die interviewten Personen. 

 

Mutter + Kind

Alleinerziehende Mutter, 34 Jahre, berufstätig in Teilzeit, arbeitet seit Beginn der Pandemie ausschließlich im Homeoffice

Wie erleben Sie die Auswirkungen auf Ihre psychische Situation? 
Meine psychische Situation als alleinerziehende Mutter war schon seit Längeren nicht die stabilste und ausgeglichenste. Dann kam Corona und da war plötzlich so viel Zeit. Die Kinder sitzen viel vor den Endgeräten und zeigen wenig Interesse an Dingen, die sie früher gut fanden. Obwohl wir so oft den ganzen Tag zusammen waren, sind wir manchmal ganz fern voneinander. Es fühlt sich mitunter wie ein innerer Shutdown an.
Überhaupt nicht gut tut es mir, zu viele Nachrichten zum Thema Corona im Internet oder auf Social Media zu lesen. Da herrscht häufig so eine Katastrophenstimmung, die mich deprimiert.


Gibt es etwas Gutes, was diese Krise bewirkt hat? 
Die Krise hat mich und meine Nachbarn sehr viel näher zueinander gebracht, ich fühle mich dadurch wohler und geborgener in meinem Zuhause. Auch die kurzen Gespräche mit der Bäckereiverkäuferin oder Supermarktkassiererin sind zu einem Highlight geworden. Und besonders meine Freundinnen sind mir noch wichtiger geworden. Es ist so gut zu wissen, dass sie da sind, auch wenn wir uns nur selten sehen. Tatsächlich haben sich auch die Noten meiner Kinder verbessert. Weil sie mehr Ruhe und Zeit zum Lernen hatten. Auch passt das später Aufstehen durch den Wegfall des Schulwegs besser zu unserem Familien-Rhythmus. 


Was hat Ihnen im Job durch die Pandemie geholfen?
Dass mein Chef uns das Go gegeben hat, unsere Arbeitszeit flexibel zu halten. So konnte ich eine lange Mittagspause mit den Kindern machen und nach dem Zubettgehen der Kinder in aller Ruhe mein Tagespensum erledigen. 


Welchen Tipp würden Sie anderen Menschen geben? 
Ich würde gerade Alleinerziehenden raten, sich Jemandem anzuvertrauen. Es bringt in diesen Zeiten rein gar nichts, die Fassade auf Teufel komm raus aufrechtzuhalten. Wir müssen lernen, sorgsam mit unseren Kräften umzugehen , denn unsere Kinder brauchen uns mehr denn je. Mir hat es auch geholfen, viel und aufmerksam in die Natur zu gehen. Vieles fällt mir nach dieser kleinen Auszeit leichter. Das Schaffen kleiner Rituale ermöglicht es mir außerdem, den Tag besser zu strukturieren. Der Kaffee am Morgen, der frische Blumenstrauß einmal die Woche, eine Gesichtsmaske… viele Kleinigkeiten, für die ich mir früher keine Zeit genommen habe und die gerade jetzt so viel ausmachen. 

Mann

Mann, 55 Jahre alt, Single, wohnt in einer WG, Vollzeit berufstätig, arbeitet meist an der Arbeitsstelle

Wie erleben Sie die Auswirkungen auf Ihre psychische Situation? 
Durch meinen Beruf im Gesundheitsbereich und meine Wohnsituation (WG) hatte ich zum Glück immer genug Kontakte, um nicht zu vereinsamen. Als glücklicher Single bin ich es außerdem gewohnt, „Zeit nur für mich“ als Geschenk und nicht als Belastung zu empfinden.


Was hat Ihnen gut getan, was weniger?
Am meisten vermisse ich das Schwimmen gehen und mal wieder in eine Sauna rein zu hüpfen, Freunde live zu sehen und ein Konzert zu besuchen. Gut getan hat es, Dinge zu erledigen und zu sortieren, die ich schon immer auf die lange Bank geschoben hatte. Und dass ich beruflich deutlich weniger reisen musste und dadurch noch fokussierter meine Aufgaben schaffen konnte. Es ging schon immer ganz schön viel Zeit verloren durch das Hin und Her. 


Gibt es etwas Gutes, was diese Krise bewirkt hat?
Treffen mit Freunden und Familie mussten neu organisiert werden. So habe ich z. B. begonnen, feste Videotelefonie-Treffen mit meinen Eltern zu vereinbaren, manchmal spielen wir online Karten. Dadurch „treffe“ ich nun z. B. meine Eltern regelmäßig für zwei bis 3 Stunden. Vor der Pandemie haben wir alle zwei Wochen mal telefoniert. Somit ist der Kontakt sogar intensiver geworden! Diese virtuellen Treffen wollen wir auch nach der Pandemie beibehalten.


Was hat Ihnen im Job durch die Pandemie geholfen?
Die Firma hat alles getan, damit wir uns auf der Arbeit sicher fühlen. Unsere Sorgen und Nöte konnten wir jederzeit bei unserer Chefin loswerden. Dafür hat sie sich extra Zeitfenster freigeräumt. 


Welchen Tipp würden Sie anderen Menschen geben?
Ich kann jedem empfehlen, digitale Verabredungen zu treffen, und diese regelmäßig zu wiederholen.

Frau

Frau, 41 Jahre alt, lebt in Partnerschaft, Vollzeit berufstätig, arbeitet mal im Homeoffice, mal im Büro  

Wie erleben Sie die Auswirkungen auf Ihre psychische Situation? 
Ich erlebe die Situation mit Aufs und Abs. Es ist wellenartig, manchmal denkt man: „Juhu, die Zahlen sinken, es sind immer mehr Menschen geimpft.“ Es ist auch abhängig von der Kommunikation der Medien. Wie kann ich mich bewegen, darf ich raus, mit wem und mit wie vielen. Ich bin ein eher extrovertierter Mensch und leide besonders unter den Kontaktbeschränkungen. 


Gibt es etwas Gutes, was diese Krise bewirkt hat? 
Die Krise hat z. B. bewirkt, dass ich mich jetzt mehr mit meiner Freundin, die weit weg wohnt über Skype austausche, statt nur zu telefonieren. Ich habe auch meine Eltern dazu gebracht, sich digital besser aufzustellen und profitiere davon, dass wir jetzt so Kontakt halten können. Z. B. bekomme ich neuerdings auch Fotos von ihnen. Es geht auf einmal einfach mehr als vorher.


Was hat Ihnen gut getan, was weniger?
Ich bin anders in Bewegung gekommen, Ich bin mehr zu Fuß zur Arbeit gegangen, konnte so besser abschalten, die Pandemie hat mir so einen besseren Tagesablauf gebracht. Mittags gehe ich mit einer Kollegin spazieren, das tut mir auch gut. Mir fehlen dafür natürlich die Live-Sportkurse. Ich habe außerdem das Gefühl, dass ein paar freundliche Worte oder ein Lächeln von Menschen besser aufgenommen werden und zurückkommen. Das bereichert mich.


Was hat Ihnen im Job durch die Pandemie geholfen?
Die virtuelle Kaffeepause, die meine Chefin für unser kleines Team als fixen Termin in unseren Kalender eingetragen hat. Und wenn einige Kolleg*innen im Büro und die anderen im Homeoffice waren, wurde in den Meetings immer darauf geachtet, dass alle digital zugeschaltet sind, damit sich keine/r als Außenseiter*in fühlt.  


Welchen Tipp würden Sie anderen Menschen geben?
Sich einfach mal Zeit für Musik nehmen, die ablenkt. Die Lieblingsmusik aufzulegen baut auf - oder ein gutes Buch zur Hand zu nehmen. Die aktuellen Medien mal beiseite lassen. Die besten Freund*innen anrufen. Neues ausprobieren. Einfach mal machen.


Digitales Angebot: Lunch & Learn

Dass unser Glück in der eigenen Zufriedenheit liegt, zeigen diese Interviews. Dazu bieten wir eine digitale Lunch & Learn-Einheit an:

Das Glück liegt in der Zufriedenheit 
mit Katharina Suppan-Künstner (auf Deutsch)
Mittwoch, 28.09.2021, 12:00 – 13:00 Uhr 



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