Eltern werden alt

Mit den Eltern über das Älterwerden sprechen

Ein Gesprächsleitfaden, der’s leichter macht

Der Mutter zum 75. einen Rollator schenken, weil sie zuletzt etwas wackelig auf den Beinen war? Oder dem Vater – einem passionierten Autofahrer – zu raten, spätestens mit 80 den Führerschein abzugeben? Sicherlich gut gemeint. Kommt aber selten gut an. Nur wie kann man gemeinsam mit den Eltern herausfinden, was gut für sie im Alter ist? Wie kommt man mit ihnen darüber ins Gespräch – am besten deutlich bevor eine Pflegebedürftigkeit eintritt? 
Ein Gesprächsleitfaden hilft, mit den Eltern über das Älterwerden zu reden und vielleicht schon erste Pläne zu schmieden.

Vier bis fünf Millionen Menschen in Deutschland pflegen ihre Angehörigen. Zwei Millionen von ihnen sind erwerbstätig. Pflege und Beruf zu vereinbaren, wird oft zu einer langwierigen Doppelbelastung. Mit der Pflege von Angehörigen geht für viele Betroffene auch ein wirtschaftlicher Verlust einher – ebenso für Unternehmen. Laut einer Unternehmensbefragung der gemeinnützige Stiftung ZQP schränkt ein Drittel der pflegenden Angehörigen ihre Erwerbstätigkeit ein oder geben sie sogar ganz auf. 

Eine gute Nachricht: „Auch bei der Pflege von Angehörigen gibt es einiges, was wir im Vorfeld tun können, um diese in der Tat herausfordernde Lebensphase gut zu organisieren und möglichst individuell zu gestalten“, sagt Sandra Wessel, Beraterin des Work-Life-Service im Fürstenberg Institut. „Es gibt viele Unterstützungsmöglichkeiten sowohl seitens der Unternehmen als auch staatliche Hilfen. Firmen können z. B. flexiblere Arbeitszeitgestaltungen ermöglichen oder den Betroffenen anbieten, dass sie die Ersatzpflege in Anspruch nehmen, die den pflegenden Angehörigen u. a. für Urlaubszeiten zusteht. Wir empfehlen immer frühzeitig mit den Eltern in den Dialog auf Augenhöhe zu gehen. Am besten schon dann, wenn es noch gar keine Anzeichen für Pflegebedürftigkeit oder altersbedingte Veränderungen gibt.“ 
Auch auf Berufstätige, die selber nicht pflegend tätig werden, kommen vielfältige, vor allem administrative Aufgaben zu – häufig auf Distanz. Gerade dann ist es wichtig, frühzeitig ein Netzwerk zu schaffen. 

 

Mit diesen Tipps gelingen gute Gespräche über das Älterwerden
(In Anlehnung an Geronto-Psychologin  Prof. Katja Werheid von der Humboldt-Universität Berlin)

Erst denken, dann handeln: Alle Gedanken über die Familie und sich selbst sollten wohlwollend sein. Was macht mich selbst zufrieden? Was meine Eltern? Und was fürchten sie zu verlieren?

Bei der Sache bleiben: Lösen Sie zuerst kleine Probleme und besprechen Sie nicht gleich die großen Themen wie Sterben und Erben. Erleichterungen kann z. B. eine Haushalthilfe sein. So werden positive Erfahrungen geschaffen.

Keine Blitzangriffe: Wer überfallen wird, geht entweder zur Flucht oder zum Gegenangriff über. Nutzen Sie traditionelle, entspannte „Gesprächssituationen“, z. B. beim Abtrocknen in der Küche oder beim Spaziergang. Ad hoc Ansprachen auf Familienfeiern sind tabu, vor allem dann, wenn man sich länger nicht mehr gesehen hat.

Eigene Anliegen formulieren: Sprechen Sie von sich selbst, statt Rezepte zu verteilen. „Du Papa, ich mach mir viele Gedanken darüber, wie ich alt werden möchte“ anstatt „Wenn du den Führerschein abgibst, fährst du eben Bus.“

Beschreiben statt bewerten: Gute Gespräche beginnen selten mit einem Fazit. Stellen Sie offene Fragen wie, „Mama, woran liegt es, dass…“.  Oder schildern Sie Ihre Beobachtungen, ohne gleich eine Deutung mitzuliefern. „Ich habe in letzter Zeit bemerkt, dass …“. Das können Themen wie vergessene Arzttermine sein, abgelaufene Lebensmittel oder der wackelige Gang.

Nicht alles auf einmal: Veränderungen brauchen Zeit. Freuen Sie sich über kleine Erfolge und gehen Sie das nächste Thema nicht bereits beim nächsten Treffen an. Sitzen Sie trotz der Herausforderungen auch einfach mal bei Kaffee und Kuchen zusammen und genießen schöne Erinnerungen. Das entspannt alle Beteiligten, und schafft eine vertrauensvolle Basis für die nächsten notwendigen Schritte.

Gemeinsam Lösungen finden: Nicht nur die eigenen Ideen sehen, sondern die Überlegungen der Eltern einbeziehen. Sprechen Sie eigene Sorgen an – „Ich befürchte, dass Du Dich im Haushalt übernimmst.“ Aber fragen Sie unbedingt auch nach den Sorgen der Eltern. Zum Beispiel fürchten viele ältere Menschen bei einem Umzug ins Seniorenheim, nicht mehr Gastgeber*in für die Familie sein zu können. Zeigen Sie Ihren Eltern schöne Alternativen für das Zusammensein mit den Liebsten auf – oder entwickeln Sie diese am besten gemeinsam.

Ablehnung akzeptieren: Ihre Eltern benötigen zwar Ihre Unterstützung, aber haben immer noch eine Meinung und Haltung. Deswegen sollten Sie nicht immer insistieren, sondern auch mal vermitteln: "Ich habe verstanden, dass du das jetzt nicht ändern möchtest. Ich bin weiter besorgt, aber ich akzeptiere deine Entscheidung. Sag mir Bescheid, wenn sich bei dir etwas ändert."

Rollentausch: Mit der Pflegebedürftigkeit der Eltern geht ein Rollentausch im Eltern-Kind-Verhältnis einher, der für beide Seiten herausfordernd und oft schmerzvoll ist. Da hilft es, sich als pflegende*r Angehörige*r zu fragen, „wie habe ich mich als Kind in einer vermeintlich schwächeren Rolle gefühlt?“. Dieses Sich-Reinfühlen führt zu mehr Verständnis und einem Gespräch auf Augenhöhe.  

mit Vater sprechen
pflegebedürftig

Exklusiv für Mitarbeiter*innen, deren Firmen den Work-Life-Service gebucht haben: 

Mitabeiter*innen, deren Firmen den Work-Life-Service des Fürstenberg Instituts gebucht haben, können sich Unterstützung bei allen Fragen rund um Pflegeversicherung, Betreuungsmöglichkeiten und anderen staatlichen Unterstützungen für pflegende Angehörige holen. Wenn Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf aufkommen oder die Doppelbelastung zu sehr auf den Schultern lastet, bekommen Betroffene in der Mitarbeiter- und Führungskräfteberatung (EAP) Hilfe.



Emar Willnauer

Sandra Wessel

Work-Life-Service-Beraterin und Expertin, Fürstenberg Institut



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