Einsamkeit

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz macht nicht vor Homeoffice halt

Was Mitarbeitende und Chef*innen wissen sollten

Sexualisierte Belästigung findet nicht nur am Arbeitsplatz vor Ort statt, sondern mit Homeoffice und hybriden Arbeitsmodellen mehr und mehr auch digital. Dazu gehören aufdringliche SMS, Bilder oder Emojis mit sexuellem Bezug per E-Mail oder anzügliche Witze in Videokonferenzen. Was Betroffenen hilft und was der/die Chef*in tun kann, lesen Sie hier.

Sexuelle Belästigung ist ein Angriff auf die Menschenwürde. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbietet zudem jede Form der sexuellen Belästigung im Berufsalltag, denn dort kann man der belästigenden Person nicht aus dem Weg gehen. Die Fallzahlen sexueller Belästigungen im Arbeitskontext sind seit Jahren branchenübergreifend hoch und reichen von Anstarren über Versprechen von beruflichen Vorteilen bei sexuellem Entgegenkommen bis hin zu körperlichen Berührungen. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes vermeldete zuletzt, dass innerhalb eines Studienzeitraums von drei Jahren jede 11. erwerbstätige Person sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebt hat. Frauen sind doppelt so häufig betroffen wie Männer. Eine hohe Dunkelziffer ist sehr wahrscheinlich. Denn viele Betroffene sind verunsichert und haben Angst, dass ihnen kein Glaube geschenkt wird und ihnen arbeitsrechtliche Konsequenzen drohen.

Wer meint, das Thema hätte in Zeiten von mehr sozialer Distanz und Homeoffice keine Relevanz mehr, liegt falsch. Die teilweise Verlagerung des Arbeitsplatzes in den privaten Bereich und die Verkleinerung von Teams können sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz sogar begünstigen. Die Sorge um den Job in wirtschaftlich unsicheren Zeiten und das dadurch verstärkte Machtgefälle verstärken die Unsicherheit der Betroffenen, ob und wie sie reagieren sollten.

Sexuelle Belästigung hat massive Auswirkungen auf vielen Ebenen: auf die seelische Gesundheit der Betroffenen, auf deren Arbeitsleistung und auf das Betriebsklima. Sexuelle Belästigung ist also kein Kavaliersdelikt. Dennoch müssen Kolleg*innen nicht permanent auf der Hut sein und auf jede nette Äußerung verzichten – im Gegenteil. Es ist allerdings ein Unterschied, ob man sagt „Das ist ein tolles Kleid“ oder „Du siehst scharf aus in diesem Kleid“. Aufdringliche und beleidigende Kommentare über Kleidung, Aussehen oder Privatleben sind tabu, ebenso wie unangemessene Einladungen zu einer Verabredung mit eindeutiger Absicht. Die Abgrenzung zu einem Flirt ist klar definiert: Sexuelle Belästigung ist durch Unerwünschtheit, Würdeverletzung und häufig auch Machtmissbrauch bestimmt. Flirts entstehen in beiderseitigem Einverständnis.

Mitarbeiter*innen, die übergriffiges Verhalten ihres Gegenüber frühzeitig – am besten sofort ansprechen, tragen dazu bei, dass dem schnell Einhalt geboten wird. Es kommt immer wieder vor, dass belästigenden Personen zunächst nicht bewusst ist, was sie mit ihrem Verhalten auslösen und dass sie übergriffig handeln. Optimal ist es daher, wenn es im Unternehmen klare unternehmensinterne Leitlinien gibt, an denen sich alle Mitarbeitenden orientieren können. Führungskräfte wissen, wie sie mit belästigendem Verhalten von Mitarbeitenden umgehen können.

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Unsere Tipps für Betroffene im Umgang mit sexualisierter Belästigung

  • Sie sind unsicher, ob die Bemerkung oder die vermeintlich zufällige Berührung schon rechtlich eine sexuelle Belästigung war? Merken Sie sich als Richtlinie: Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz fängt da an, wo für Sie persönlich eine Grenze überschritten wurde. Bemerkbar macht sich dies an Ihrem unwohlen Gefühl.
  • Lassen Sie keine Schuldumkehr zu: Niemand muss sich "deutlicher" abgrenzen oder "weniger sexy" anziehen.
  • Machen Sie den/die Belästiger*in deutlich darauf aufmerksam, dass Sie so ein Verhalten nicht tolerieren. Z. B. mit Aussagen wie: „Ich möchte nicht, dass Du solche Witze in meiner Gegenwart machst. Das ist nicht in Ordnung.“ Sie dürfen auch laut werden: „Das reicht!“ – oder sehr deutlich: „Hör sofort damit auf. Das erfüllt den Tatbestand sexueller Belästigung!“. Zugegeben, das ist nicht leicht, insbesondere, wenn ein/eine Vorgesetze*r belästigt. Vielleicht können Sie auch eine/n Kolleg*in bitten, dabei zu sein? Das verschafft Ihnen Sicherheit und der/die Belästiger*in merkt, dass auch andere aufmerksam werden. Wenn es sich um Berührungen handelt, schieben Sie den Täter deutlich weg von sich.
  • Sollten Sie in der Situation nicht gleich reagieren können, grämen Sie sich nicht. Sie können den/die Belästiger*in auch später in die Schranken weisen, wenn Sie soweit sind. Erscheint Ihnen der persönliche Kontakt zu heikel, können Sie Dritte hinzuziehen.
  • Melden Sie Vorkommnisse sexualisierter Belästigung Ihrem Arbeitgeber – Ihrer Führungskraft, der Personalabteilung oder dem Betriebsrat. Ihr Unternehmen ist gesetzlich verpflichtet, ihre Beschäftigten vor sexueller Belästigung zu schützen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. In einigen Firmen gibt es eine Beschwerdestelle für Diskriminierungen am Arbeitsplatz. Die sexuelle Belästigung zählt dazu. Der belästigenden Person drohen rechtliche Konsequenzen: das reicht von Ermahnung über Versetzung bis hin zur Kündigung.
  • Bleiben Sie nicht allein, sondern vertrauen Sie sich einer Freundin bzw. einem Freund an. Ihrer Familie oder einem/r guten Kolleg*in. Auch die EAP-Berater*innen des Fürstenberg Instituts stehen Ihnen dabei unterstützend zur Seite. Sie können bei der Terminvereinbarung auch explizit nach einem weiblichen oder männlichen Expert*in fragen, wenn Ihnen das das Gespräch erleichtert. Zudem bietet die Antidiskriminierungsstelle des Bundes umfassendes Informationsmaterial.


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