Gesunde Führung

Gesunde Führung: Gut für Mitarbeiter*innen, aber auch für die Führungskraft

Menschen gesund zu führen ist die größte Herausforderung und zugleich die schönste Aufgabe in einem Unternehmen. Denn sie ist eine exzellente Chance, persönlich zu wachsen und zu reifen.

Dr. Friedrich Assländer

Jede Führungskraft möchte die Gesundheit der Mitarbeiter*innen unterstützen. Doch was ist eigentlich mit gesunder Führung genau gemeint? Führungskräfteberater Steffen Burger, Experte im Gesundheits- und Stressmanagement, beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema.  


Was versteht man unter gesunder Führung? 
Gesunde Führung ist im Grunde gleichzusetzen mit „guter Führung“. Und gute Führungskräfte sind die, die neben ihren Management- und Fachkompetenzen über eine hohe Sozialkompetenz verfügen, die Arbeitszufriedenheit und Motivation sowie die Beziehungen der Beschäftigten untereinander gut im Fokus haben. Ihnen gelingt es, die Ziele des Unternehmens oder ihrer Abteilung in Einklang zu bringen mit den individuellen Potenzialen, den Zielen und den sozialen Bedürfnissen ihrer Mitarbeiter*innen. Dabei haben sie natürlich die Gesundheit Einzelner – die körperlichen und die psychischen – gut im Blick und sorgen für ein gutes Miteinander.

  
Wirkt sich gesunde Führung nennenswert auf die Beschäftigten aus? 
Dazu gibt es viele Studien, die belegen, wie positiv die körperliche und vor allem die psychische Gesundheit die Unternehmensleistung beeinflusst. Eine Studie der Universität St. Gallen zeigt beispielsweise, dass Wohlbefinden (+ 30%), das Engagement (+ 19%) und die Unternehmensleistung (+ 15%) steigen; Kündigungsabsicht (- 75%), destruktives Engagement (- 63%) und Resignation (- 52%) bei gesundheitsorientierter Führung sinken. 
Haben die Gesundheit und Selbstfürsorge von Führungskräften auf ihr Team eine Wirkung? 


Gesunde Chefs fördern die Gesundheit von Mitarbeiter*innen. Dabei gilt: Eine Treppe kriegt man nur von oben nach unten sauber. In Unternehmen, in denen die Geschäftsführung auf ihre eigene Gesundheit achtet, haben die Beschäftigten um 8% bessere Werte im Bereich psychischer Gesundheit als in anderen Unternehmen. Zugleich schätzt das mittlere Management in diesen Fällen die gesunde Führungskompetenz der Geschäftsführung um 62% positiver ein. In Unternehmen, in denen die Geschäftsführung gesund führt, ist auch die gesunde Führung des mittleren Managements um 90% und die gesunde Führung des unteren Managements um 32% verbessert. 

Was sind weitere Treiber für gesunde Beschäftigte? 
Verantwortung tut gut. Die Kernelemente Selbstbestimmung und Selbstbefähigung sind besonders wichtig. Unternehmen, die auf Empowerment von Mitarbeiter*innen setzen, verbessern deren psychische Gesundheit um 31% im Vergleich zu Unternehmen, die in diesem Bereich Nachholbedarf haben. 

In vielen Unternehmen stehen jetzt Veränderungen an. Was ist dabei zu beachten? 
Hochleistung und Entspannung müssen ausbalanciert sein: In 44% der befragten Unternehmen gibt es nach anstrengenden Veränderungsphasen gezielte Auszeiten zur Regeneration. Das verbessert die psychische Gesundheit der Belegschaft um 23%, die Unternehmensleistung steigt um 6%. In 45% der Unternehmen sind Auszeiten und Reflexionsmomente in der Unternehmenskultur verankert. Hier ist die psychische Gesundheit der Mitarbeiter*innen um 22% verbessert, die Unternehmensleistung steigt um 10%. 

Sollte man ältere Beschäftigte in Bezug auf Gesundheit anders führen als jüngere? Was ist dabei zu beachten? 
In modernen Führungsansätzen gehen wir davon aus, dass jede Person individuell zu führen ist.  

Führungskräfte sollten sich der Stärken, Schwächen, Persönlichkeitsmerkmale und Bedürfnisse der einzelnen Mitarbeiter*innen bewusst sein und ihr Führungshandeln so gestalten, dass diese optimal gefordert und gefördert werden und sich entwickeln können. Dies schließt natürlich den älteren Teil der Belegschaft ein. Flexibilität, Leistungsfähigkeit, psychische und physische Gesundheit sind jedoch in hohem Maße von Lebensgestaltung und weniger nur vom Lebensalter abhängig. 

Manche Menschen sind scheinbar nie krank. Was machen die anders? 
Einige Menschen sind einfach resilienter als andere. Da spielen auch eine Menge nicht beeinflussbarer Faktoren eine Rolle, z. B. erbliche Veranlagungen. Spannend ist allerdings, dass vielen Menschen gar nicht bewusst ist, wie sehr wir unser Gesundsein durch unseren Lebensstil steuern können. Dadurch, wie wir denken, bewerten und eingestellt sind und natürlich wie wir uns bewegen, ernähren, entspannen und erholen. Letztlich geht es darum, dass wir durchgehend unsere Batterien aufgeladen haben. Dafür kann jeder Mensch nur seinen eigenen Weg finden, wo die besten „Ladestationen“ in seinem Alltag sind. Hier können Unternehmen im Rahmen von BGM gute Impulse setzen. 


Gibt es typische Warnsignale für zu viel Stress oder psychische Belastungen? 
Ja, die gibt es. Und eigentlich kennen wir sie auch, nehmen sie nur oft nicht gleich wahr oder wirklich ernst. 

Auf der körperlichen Ebene kann es z. B. sein, dass Menschen über Kopf-, Magen- oder Rückenbeschwerden klagen, sich häufig die Augen reiben, ihren Kopf wegen Nackenverspannungen drehen, häufiges Gähnen oder einfach müde und abgespannt wirken. Ansonsten sollten Sie als Führungskraft aufmerksam werden, wenn Mitarbeiter*innen sich zurückziehen, angespannt oder gereizt wirken, eine ungewöhnliche Unruhe zeigen oder einen bedrückten Eindruck machen. Das A und O sind aber Veränderungen im Arbeitsverhalten und der Leistungsfähigkeit, z. B. fehlende Konzentration, erhöhte Fehlerquote, zunehmende Unsicherheit oder die Überbewertung belangloser Probleme. 


Was kann man als Führungskraft dann am besten tun? 
Als Faustregel gilt: Wenn Beschäftigte Auffälligkeiten zeigen oder anders sind als sonst – und diese Veränderungen nicht direkt wieder verschwinden, sprechen Sie die Person wertungsfrei auf das an, was sie beobachten. Warten Sie damit nicht lange und vor allem, stellen Sie keine Diagnosen oder Vermutungen auf, was genau dahinterstehen könnte. Sie haben vermutlich keine medizinische oder therapeutische Ausbildung, sondern sind Führungskraft. Ihre Aufgabe ist in dem Fall die Fürsorge, dass Sie sich kümmern, wenn Sie etwas bemerken, was Einfluss auf die Arbeit haben könnte.  

Dann kann man gemeinsam mit dem Teammitglied nach Lösungen suchen, fragen, was die Person selbst für eine Besserung tun kann und wie Sie sie als Führungskraft unterstützen können. Viele Unternehmen bieten ja Hilfsmöglichkeiten für Beschäftigte an, z.B. ein EAP-Programm. Hier bekommen Mitarbeiter*innen Unterstützung z. B. bei psychischen Belastungen.  

Wie kann man bei Zusammenarbeit in virtuellen Räumen, z.B. im Homeoffice oder über verschiedene Standorte hinweg, Mitarbeiter*innen dabei unterstützen, etwas für ihre (mentale) Gesundheit zu tun? 
Es ist auch virtuell viel mehr möglich als viele denken. Es müssen eben viele Dinge, die vorher im „Vorbeigehen“ passiert sind, nun bewusster gestaltet und thematisiert werden. Gerade durch die disruptiven Veränderungen, welche die Corona-Pandemie in unserer Arbeitswelt zur Folge hat und haben wird, entsteht auch viel Spielraum für neue Abläufe, Strukturen und Ansätze. Geben Sie beispielsweise in der Teamrunde auch Raum für persönliche Äußerungen und Erlebnisse, für soziale Themen oder lachen Sie einfach auch mal miteinander. 

Welche 3 Tipps haben Sie für Führungskräfte ganz konkret, um zukünftig gesundheitsorientierter zu führen? 

  1. Machen Sie Gesundheit und Wohlbefinden zum Thema:  
    in Teammeetings und bilateral.  
  2. Kommunizieren Sie viel und transparent, sprechen  
    Sie auch über eigene Fehler und Unsicherheiten. 
  3. Holen Sie sich ehrliches Feedback über Ihr Führungs- 
    verhalten und eigene Entwicklungspotenziale ein.

 


Steffen Burger

Steffen Burger

Berater, Fürstenberg Institut



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