Digitaler Stress

Gesunder und bewusster Umgang mit digitalen Stressfaktoren

Spätestens seit der Corona-Pandemie spüren wir alle die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt und uns selbst. Auf der einen Seite erleben wir neue, einfachere und flexiblere Arbeitsprozesse und Arbeitsweisen. Wir haben vielfältige Möglichkeiten, mit Familie und Freund*innen in Kontakt zu bleiben, können remote arbeiten und entspannt online unsere Einkäufe erledigen. Auf der anderen Seite können diese Möglichkeiten und Prozesse auch zu einem erhöhten Stressempfinden und zu Überbeanspruchung führen. Wenn wir unsere Einstellung gegenüber der digitalen Technik jedoch zum Positiven ausrichten, fühlen wir uns weniger gestresst. Auch eine veränderte Nutzung hilft uns, um dem digitalen Stress gelassener entgegen zu treten. Im Folgenden möchten wir Sie auf die digitalen Stressfaktoren aufmerksam machen und Ihnen Tipps für einen gesunden Umgang geben.    

Die Forschergruppe um den Wirtschaftsingenieur Henner Gimpel hat in einer 2019 durchgeführten Studie bundesweit 5000 Erwerbstätige zum Thema “Gesund digital arbeiten?!” befragt. (http://publica.fraunhofer.de/dokumente/N-562039.html).
 

Folgende zwölf digitale Belastungsfaktoren wurden identifiziert:

 

Digitaler Stress

Abbildung : Belastungsfaktoren der digitalen Arbeit im Uhrzeigersinn absteigend sortiert nach Anteil der Befragten, welche die jeweiligen Faktoren als sehr stark ausgeprägt angeben (aus Gimpel et al., 2019)

 

Interessant ist, dass nicht die Hard- bzw. Software selbst den Stress auszulösen scheint, sondern unser Nutzungsverhalten und unsere Einstellung gegenüber der digitalen Technik. So wird zum Beispiel der Belastungsfaktor “Überflutung” beschrieben als “Gefühl, aufgrund des Einsatzes digitaler Technologien und Medien mehr und schneller arbeiten zu müssen”.

Um dem digitalen Stress vorzubeugen, können wir nach dem TOP-Prinzip vorgehen, welches seinen Ursprung im Arbeitsschutz hat. Tipps für einen gesunden Umgang mit digitalen Stressoren finden wir auf drei Ebenen: der technischen Ebene, organisatorischen Ebene und persönlichen Ebene.

 

1. Was Sie auf der technischen Ebene verändern können:

So wenig wie möglich, so viel wie nötig: Verwenden Sie für Ihre Arbeit nur nützliche und unterstützende Technik

Sagen Sie „Nein“ zu Störungen und pflegen Sie einen bewussten Umgang mit Benachrichtigungsfunktionen, PopUp Meldungen, etc. Schalten Sie so viele wie möglich 

Ziehen Sie klare Grenzen und trennen Sie beruflich und privat genutzte Geräte voneinander (z.B. Smartphone, Laptop). 

Schaffen Sie störungsfreie Arbeitsphasen: Schalten Sie Geräte bei Nichtgebrauch aus bzw. stumm und schließen Sie nicht benötigte Programme.     

 

2. Was Sie auf der organisatorischen Ebene verändern können:

Monotasking statt Multitasking: Eine Aufgabe nach der anderen! Achten Sie auf eine sorgfältige Priorisierung Ihrer Aufgaben und planen Sie Zeitblöcke zur Abarbeitung in Ihren Kalender ein.

Weniger ist mehr: Berücksichtigen Sie bei Ihrer Tagesplanung ausreichend Pufferzeiten für unvorhergesehene Aufgaben.

Schaffen Sie Transparenz und Klarheit im Hinblick auf Ab- und Anwesenheitszeiten, Reaktionszeiten, etc. und kommunizieren Sie diese an Vorgesetzte, Kolleg*innen und Kund*innen. Nutzen Sie hierfür auch den Abwesenheitsassistenten und die Mailboxansage.

Chat, Mail oder Call? Etablieren Sie gemeinsam im Team klare Kommunikationsregeln.  

 

3. Was Sie auf der persönlichen Ebene verändern können:

Definieren Sie persönliche digitale Öffnungszeiten! Hilfreich ist hier die Fragestellung: Wie oft muss ich E-Mails, Chats, etc. wirklich abrufen?

Zelebrieren Sie Rituale. Nutzen Sie die Kraft von Routinen, um Struktur in Ihren Tag zu bringen. Zum Beispiel durch eine kurze Reflexion bzgl. anstehender bzw. erledigter Aufgaben zu Beginn und zum Ende des Arbeitstages.

Machen Sie regemäßig Pause! Sorgen Sie für ausreichend Entspannung und Erholung im Arbeitstag und schaffen Sie Momente der Achtsamkeit. Auch Kurzpausen von weniger als fünf Minuten haben einen großen Effekt auf die Leistungsfähigkeit.

Überdenken Sie Ihre persönlichen Glaubenssätze. Hinterfragen Sie Gedankengänge, die „sollen“, „müssen“, „schnell“ oder negative Selbstkritik enthalten.

Pflegen Sie eine offene und positive Haltung gegenüber technologischer Entwicklung und lenken Sie Ihren Fokus auf den Mehrwert.

Durch einen achtsamen Umgang mit digitalen Technologien können Sie Ihre innere Balance halten. Machen Sie sich immer wieder bewusst, dass das echte Leben in der analogen Welt stattfindet. Schalten Sie daher regelmäßig digital ab, sowohl beruflich als auch privat.

 


Smartphone-Verhalten

Selbsttest – Gesundes Smartphone-Verhalten

Digitale Technik ist aus unserer heutigen Welt nicht mehr wegzudenken. Vor allem das Smartphone hat uns seit der Einführung des ersten iPhones 2007 eine neue Welt eröffnet. Es unterstützt uns zum Beispiel enorm im Bereich der Kommunikation und kann uns auch in anderen Bereichen neue Möglichkeiten eröffnen. Allerdings lassen wir uns auch sehr schnell und oftmals unbemerkt durch dieses kleine Gerät aus unserem Alltag reißen. Einige Menschen verlieren sich dabei regelrecht in der virtuellen Welt. So verwundert es nicht, dass der Langenscheidt-Verlag 2015 das Wort „Smobie“ zum Jugendwort des Jahres gekürt hat, ein Kofferwort aus „Smartphone“ und „Zombie“.   

Warum lassen wir uns so einfach vom Handy ablenken? Das Smartphone erfüllt zwei der ursprünglichsten Grundbedürfnisse des Menschen, zum einen das Bedürfnis nach Kontakt und Anerkennung, zum anderen die Neugier nach neuen Informationen. Die Befriedigung dieser Bedürfnisse aktiviert das Belohnungszentrum in unserem Gehirn und führt zur Ausschüttung des Glückshormons Dopamin. Der nächste Griff zum Smartphone ist dadurch gesichert.

Testen Sie mit dem „Smartphone Compulsion Test" des “Center for Internet and Technology Addiction” Ihr Smartphone-Verhalten. Zählen Sie hierzu, wie viele der nachfolgenden Aussagen auf Sie zutreffen.

Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/selbsttest-ist-ihr-smartphone-verhalten-gesund/24482740.html


Matthias Finkemeier

Dr. Matthias Finkemeier

Berater im Fürstenberg Institut

 

Lunch & Learn

22.02.2022

Dienstag, 12:00 - 13:00 Uhr

Digitales Stressmanagement - Strategien & Lösungsansätze



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