Das Impostor-Phänomen

Das Impostor-Phänomen

Warum erstaunlich viele Menschen ihre Leistungen unterschätzen und sich als Hochstapler*in fühlen

Das Impostor- oder auch Hochstapler-Phänomen beruht meist auf der Kombination eines geringen Selbstvertrauens, Perfektionismus und ausgeprägtem Leistungsdenken. Betroffene haben das Gefühl, von anderen überschätzt zu werden und Erfolge oder Lob nicht zu verdienen. Sie fühlen sich wie "Hochstapler*innen" und leben mit der ständigen Angst "aufzufliegen". 

Alles nur Zufall?

„Irgendwann kommt mal raus, dass ich eigentlich keine Ahnung habe.“ Der erfolgreiche Manager Herbert K. fühlt sich innerlich als Hochstapler (engl.: Impostor), weil er denkt, dass er seinen Erfolg nicht verdient, sondern nur „zufällig“ oder durch Glück erreicht hat. Ähnlich geht es auch Geschäftsführerin Christine S. Sie nimmt sich als Betrügerin wahr, die eigentlich nicht kompetent ist, sondern ihre Fähigkeiten nur vortäuscht. Beide empfinden die Angst, dass ihre vermeintliche Inkompetenz auffliegt und sie eines Tages als Hochstapler*in entlarvt werden.

Gesunder Selbstzweifel oder ungesunde Versagensangst?

Ein wenig Selbstzweifel schadet nicht: Leichte Impostor-Gefühle kurbeln den Ehrgeiz und somit oftmals auch die Karriere an. Im Zusammenhang mit dem Impostor-Syndrom geht es aber nicht um gesunde Selbstzweifel, die die persönliche Weiterentwicklung fördern und von Fehlern abhalten, sondern um eine tief sitzende Angst, Herausforderungen nicht gewachsen zu sein. Erfolge werden eher äußeren Umständen zugeschrieben, (vermeintliche) Misserfolge hingegen auf das eigene Versagen zurückgeführt, also internalisiert. Wer solche Versagensängste entwickelt, dass er sich nicht mehr traut, Aufgaben anzugehen und somit das Leben und das eigene Verhalten massiv einschränkt werden, sollte sich Hilfe bei einer/m Expert*in suchen.

Frauen und Männer sind gleichermaßen betroffen

Das Hochstapler-Syndrom wurde ursprünglich (1978) als ein Phänomen unter erfolgreichen Frauen beschrieben. Eine Reihe von aktuelleren Studien belegt jedoch, dass dieses Phänomen geschlechtsunabhängig auftritt und spezifisch für Leistungssituationen ist. Bereits in den 1980er Jahren schätzten Psycholog*innen, dass sich zwei von fünf erfolgreichen Menschen selbst als Hochstapler*innen einstufen. Andere Studien zeigen, dass sogar 70 Prozent aller Menschen unter bestimmten Umständen oder Zeiten das Impostor-Phänomen am eigenen Leib erleben. Das Gefühl der Inkompetenz tritt dann nur für einen begrenzten Zeitraum, wie z.B. in den ersten Wochen einer neuen Arbeitsstelle, auf.

Im Teufelskreis, um unentdeckt zu bleiben: Überarbeiten oder Vermeiden

Menschen mit Hochstapler-Symptomen versuchen alles, um der befürchteten Scham zu entkommen. So neigen einige Betroffene dazu, besonders viel, hart oder auch akribisch zu arbeiten, um ihre vermeintliche Unfähigkeit auszugleichen und (sich selbst) zu beweisen, dass sie doch gut genug sind. Andere versuchen wiederum ihren Ängsten durch Vermeidung aus dem Weg zu gehen. Sie schieben beispielsweise anstehende Aufgaben auf oder verspäten sich bei Terminen. Manche Menschen haben derart große Versagensängste, dass sie durch Selbstsabotage dafür sorgen, dass ihnen Dinge nicht gelingen. Durch das Herbeiführen des eigenen Scheiterns fühlen sie sich auf paradoxe Weise immer noch in Kontrolle über die Angst des Ungenügens. Die Entlastung weicht aber schnell wieder der Angst – ein Teufelskreis entsteht. 

Die Ursachen liegen oft in der Kindheit

Wer als kleines Kind besonders viel leisten musste, um von Papa gesehen zu werden, rennt oft noch 30 Jahre später im Hamsterrad um Anerkennung. Das Hochstapler-Syndrom kann durch Botschaften in der Erziehung ausgelöst werden, die zu einem unerschöpflichen Perfektionismus führen. Zum Beispiel, wenn Eltern einem Kind eine völlig überzogene Vorstellung davon vermitteln, was Erfolg und gute Leistungen sind.

Übersteigerte Erwartungen: Die 5 Impostor-Typen

1. Die Perfektionist*innen stellen extrem hohe Ansprüche an sich. Sie erwarten alles zu Hundertprozent richtig zu machen. Wenn das nicht gelingt (und das gelingt niemandem), fühlen sie sich als Versager*innen bestätigt. 

2. Die Naturtalente setzen ihre Messlatte ebenfalls unmöglich hoch. Zusätzlich zum Anspruch der Perfektion erwarten diese selbsterkannten „Genies“, dass ihre Kompetenz nicht erst erlernt werden darf, sondern automatisch vorhanden sein muss. 

3. Die Expert*innen haben den Anspruch, alles zu wissen. Wenn diese Menschen die Antwort auf eine Frage nicht kennen, scheint ihre Unfähigkeit bestätigt.  

4. Die Solist*innen empfinden sich nur als kompetent, wenn sie alles alleine schaffen. Um Hilfe zu bitten, wäre für sie ein Zeichen der Schwäche.

5. Die Superheld*innen messen ihre (Un-)Fähigkeit basierend darauf, wie viele Bälle sie gleichzeitig jonglieren können. Kompetenz bedeutet für sie, alle Lebensbereiche und Rollen perfekt auszufüllen: Kolleg*in, Partner*in, Elternteil, Freund*in und Gastgeber*in.

 

Buchempfehlung:

Das Buch "Und was, wenn alle merken, dass ich gar nichts kann? Über die Angst, nicht gut genug zu sein" von Sabine Magnet ist im MVG-Verlag erschienen.

 

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Hochstapler-Syndrom

https://hirnpuls.de/hochstapler-syndrom/

https://hellobetter.de/blog/impostor-syndrom

https://www.sueddeutsche.de/karriere/hochstapler-syndrom-bis-einer-merkt-dass-sie-nur-glueck-hatten-1.3899098

 


Impostor-Phänomen

Das Impostor-Phänomen: Was kann ich tun, wenn ich vom Hochstapler-Phänomen betroffen bin? 

  • Akzeptieren: Es gibt verständliche und nachvollziehbare Gründe, warum ich, genauso wie viel andere, unter diesem Phänomen leide. Nur, wenn ich auch diesen Anteil von mir annehme, kann ich mich weiterentwickeln.
  • Offen darüber sprechen: Durch den offenen Umgang verliere ich die Angst davor, dass jemand anders mich ‚ertappen‘ könnte. So kann ich entspannter agieren und bei Bedarf um Hilfe und Verständnis bitten.
  • Heilsame Distanz: Wenn ich auf Distanz zu mir gehe und mich von außen beobachte, habe ich die Möglichkeit meine Fähigkeiten neu einzuschätzen. Hilfreich ist auch ein/e Partner*in / Kolleg*in / Freund*in oder ein Coach.
  • Smiley Liste: Jeden Abend drei Punkte notieren, die ich an diesem Tag geschafft, geleistet, erreicht habe, wird mir vor Augen führen, dass ich stolz auf mich sein kann.
  • Realitätscheck: Was habe ich in meinem Leben erreicht? Wofür werde ich geschätzt? Wo liegen meine Stärken? Wenn ich diese Fragen beantworte und mit den Rückmeldungen aus meinem Umfeld ergänze, bekomme ich einen Überblick über die Vielzahl an positiven Eigenschaften, über die ich verfüge.
  • Verbündete suchen: Gemeinsam mit anderen Betroffenen kann ich Ideen und Tipps finden und entwickeln, um besser mit dem Impostor-Syndrom umzugehen.
  • Neue Glaubenssätze finden: ‚Ich bin nicht so gut, wie die anderen‘ oder ähnliche alte Glaubenssätze, oft aus der Kindheit, tragen stark zum Impostor-Phänomen bei. Um diese aufzubrechen bzw. neue Glaubenssätze in mir zu implementieren, ist es hilfreich mit einem Coach zusammenzuarbeiten. Mit konsequenter Übung kann dann z.B. der Satz ‚Ich bin genauso gut, wie die anderen‘ den alten Glaubenssatz verdrängen.
  • Sich selbst schätzen: Wenn ich ganz bewusst meine Aufmerksamkeit auf das lenke, was ich gut mache, anstatt wie bisher auf das, was nicht gut läuft, wird mein Selbstwert größer werden. Damit kann ich mich besser annehmen und akzeptieren.

Quelle: 

www.managerseminare.de, Matthias Hammer, Miriam Junge, Sonja Rohrmann, Monika Klinkhammer; Grafik: Stefanie Diers; © www.trainerkoffer.de

 


Beatrice Erhart

Beatrice Erhart

Beraterin im Fürstenberg Institut



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