Flucht in die Sucht: Wenn Mitarbeitende mit Alkohol- und Drogenproblemen aus dem Lockdown kommen

Published on 07. November 2021 in the category Press releases
Pressemitteilung

Was Kolleg*innen tun können

Hamburg, 7. September 2021 – Endlich zurück im Büro. Für viele Beschäftigte ist das mehr und mehr möglich. Die Freude, die Kolleg*innen nach langer Zeit virtueller Zusammenarbeit endlich live wiederzusehen, ist groß. Doch nicht selten wirken einige von ihnen verändert – Alkohol- und Drogenprobleme haben in der Corona-Zeit zugenommen. Nach rund 1,5 Jahren pandemiebedingter Arbeit auf Distanz stehen Teams vor dem Dilemma: Wie umgehen mit Kolleg*innen, die während der Pandemie ein Suchtproblem entwickelt haben?

„So schwer das Thema ist, die Antwort auf die Frage, was Sie als Kolleg*in da tun können, ist eigentlich ganz einfach: Sobald Ihnen ein/e Kolleg*in auffällt, sprechen Sie die Person in einer ruhigen Zweiersituation an, anstatt hinter dem Rücken zu tuscheln. Beschreiben Sie Ihre Wahrnehmung, z. B. die wiederholte Alkoholfahne oder Unzuverlässigkeiten, die möglichweise auf den morgendlichen Kater zurückzuführen sind. Meist liegen wir mit unserem Gefühl richtig. Es gilt die Faustformel: Wenn Alkohol Probleme macht, ist Alkohol ein Problem“, sagt Reinhild Fürstenberg, Mitgründerin und Geschäftsführerin des Fürstenberg Instituts.

Die Gesundheitswissenschaftlerin hat immer wieder beobachtet, dass Teams in helfender Absicht Betroffene in Schutz und Arbeit abnehmen. Das hilft jedoch weder der betreffenden Person noch der Stimmung und Produktivität in der Abteilung. Aus Sicht der Betroffenen ist das behütende Verhalten sogar kontraproduktiv: Dem Suchtmittelkonsum kann so in aller Ruhe weiter nachgegangen werden… es passiert ja nichts.
Fürstenberg empfiehlt hingegen als richtigen Weg, die Not von Betroffenen zu verstärken. „Wenn Sie die beobachteten Auffälligkeiten ansprechen, merkt die Person, dass sie auffällt und nun etwas ändern muss. Durch diese Konfrontation mit der Realität verhelfen Sie Betroffenen, die Augen zu öffnen und zu erkennen, dass mit dem eigenen Alkohol- oder Drogenkonsum etwas nicht stimmt. Das ist essenziell. Denn zur Suchtkrankheit gehört eine Realitätsverzerrung: Betroffene leugnen ihren Konsum meist und machen andere für ihre Probleme verantwortlich. Ihre Ansprache ist eine echte Chance, einen weiteren Suchtverlauf möglichst zu vermeiden, vielleicht steht der problematische Konsum ja gerade noch in den Anfängen.“

So können Kolleg*innen ins Gespräch gehen:

  • Warten Sie mit Gesprächen nicht so lange, bis sie sich ganz sicher sind – dabei vergeht wertvolle Zeit für alle Beteiligten.
  • Berichten Sie frei raus und so konkret wie möglich von Ihren Beobachtungen, z. B. „Ich mache mir Sorgen um Dich. In den letzten Wochen gab es mehrere Vorkommnisse in unserer Zusammenarbeit, die ich so von Dir nicht kenne. Du hast mir die zugesagte Unterlage für den Kunden nicht fertiggestellt, zu unserer Verabredung zum Mittagessen bist Du gar nicht gekommen, Du wirkst müde und unkonzentriert. Außerdem ist mir aufgefallen, dass Du gestern und vorgestern eine Fahne hattest und ich mache mir Sorgen, dass Deine Veränderungen mit Deinem Alkoholkonsum zu tun haben.“
  • Seien Sie empathisch, wenn der/die Kolleg*in sich Ihnen gegenüber öffnet. Aber grenzen Sie sich unbedingt von den Sorgen und der Sucht des/der Betroffenen ab, das gehört in die Hände von Suchtexpert*innen. Bleiben Sie in Ihrer guten Kolleg*innen-Rolle.
  • Sie können Ihre konkrete Hilfe anbieten, indem Sie für den/die Kolleg*in Informationsmaterial von Suchtstellen zusammensammeln. Oder z. B. auf externe Unterstützungsangebote im Unternehmen wie eine Mitarbeiterberatung (EAP) hinweisen.
  • Und ganz wichtig: Übergeben Sie rechtzeitig an die Führungskraft, wenn sich nichts verändert! Sie ist in der Fürsorgepflicht für den/die Betroffene – und auch für Sie als Kolleg*in: Sie haben den Anspruch auf eine gesunde Arbeitsatmosphäre. Die Führungskraft kann auch entsprechende Ziele vereinbaren, konkrete Hilfsangebote machen und wenn nötig disziplinarische Schritte einleiten.

 

Über das Fürstenberg Institut: 
Das Fürstenberg Institut unterstützt seit über 30 Jahren Unternehmen und Organisationen dabei, die Gesundheit und Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter*innen und Führungskräfte nachhaltig zu verbessern, diese in Change-Prozessen zu begleiten und gesetzliche Regelungen im Gesundheitsschutz umzusetzen. Im Fürstenberg Institut stehen Mitarbeiter*innen und Führungskräften von Kundenunternehmen qualifizierte Fachberater*innen in allen Fragestellungen rund um Beruf, Gesundheit, Familie und Privatleben jederzeit zur Verfügung – absolut diskret, strikt vertraulich und für die Belegschaft kostenfrei. Kernkompetenzen des deutschen Marktführers sind vernetzte BGM-Maßnahmen wie die Mitarbeiter- und Führungskräfteberatung (EAP), die gesundheitsorientierte Organisationsberatung, das betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) und die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen (GBU), der Work-Life-Service sowie die Fürstenberg Akademie. 2021 wurde das Institut, das an über 60 Standorten in Deutschland tätig ist, von EUPD Research zur Top Brand Corporate Health gewählt.

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