Beratungsfall

Praxisbeispiele EAP

Ein Fall aus der Beratung ...

Tausende Ratsuchende kommen jährlich zu uns in die Beratung. Wir stellen Ihnen nachfolgend einige Beratungsfälle aus der Praxis vor. Die Fälle wurden mit dem Einverständnis der Betroffenen anonymisiert.

  • Frau B. ist 42 Jahre und seit elf Jahren als Chefsekretärin tätig. Vor einem dreiviertel Jahr bekam sie am Wochenende plötzlich massives Herzrasen und fürchtete einen Herzinfarkt zu erleiden. Im Krankenhaus, das sie sofort aufsuchte, bestätigte man ihr nach vielen Untersuchungen, dass sie organisch gesund sei. Dennoch trat das Herzrasen erneut auf, so dass sie einen Herzspezialisten konsultierte, der ebenfalls keine körperliche Ursache diagnostizieren konnte. Nachdem die Symptome nicht aufhörten, sondern immer häufiger auftraten und sie von drei weiteren Ärzten keine Diagnose erhielt, wurde ihr eine Therapie angeraten, da psychische Ursachen für ihre Beschwerden vermutet wurden. Noch verärgert darüber, dass die Ärzte nichts gefunden hatten, kam Frau B. ins Institut. Mittlerweile war sie schon mehrmals über mehrere Wochen krankgeschrieben.

    In der Beratung wurde Frau B. zunächst darüber aufgeklärt, dass psychosomatische Beschwerden, wie beispielsweise Herzrasen, häufig eine sinnvolle Reaktion des Körpers seien, mit denen er reagiere, wenn im Leben etwas „nicht stimmt“. Mit Frau B. wurde als erstes erarbeitet, was sie ganz konkret beim erneuten Auftreten von Herzrasen tun könne. Bereits im nächsten Gespräch berichtete sie, dass sie dieser Plan sehr beruhigt habe – vermutlich war das Herzrasen allein aus diesem Grunde etwas zurückgegangen.

    Frau B. führt „äußerlich“ ein sehr geordnetes Leben. Im Laufe der Beratung stellte sich jedoch heraus, dass sie „innerlich“ sehr unglücklich mit mehreren Begebenheiten war.

    So hatte sie eine mehr als zwei Jahre zurückliegende Trennung noch nicht wirklich überwunden. Darüber hinaus war sie mit ihrer Lebenssituation insofern nicht zufrieden, als dass sie immer nur funktioniere und wenige Dinge tat, die ihr wirklich Freude bereiteten. Außerdem zeigte und verhielt sich Frau B. nach außen häufig sehr hart und belastbar. Wie nah ihr vieles ging, hielt sie verborgen.

    Aufgrund der Beratung begann Frau B. zunächst, ihre Freizeit umzugestalten: Sie verfolgte verstärkt ihre eigenen Interessen und unternahm öfter etwas, was ihr wirklich guttat.

    Im zweiten Schritt wurde auch ihre Trennung bearbeitet, was ihr zunächst nicht leichtfiel, sie langfristig aber sehr erleichterte.

    Im Laufe der Beratung lernte Frau B. viele neue Seiten an sich kennen und konnte sich zunehmend authentisch geben. Parallel zu ihren Veränderungen ging auch das Herzrasen zurück. Wenn dieses heute noch einmal auftritt, versteht sie dies als Hinweis wieder verstärkt auf sich und ihre Bedürfnisse zu achten.

  • Herr M., 42 Jahre, vereinbart einen Beratungstermin und nennt als Thema „Probleme am Arbeitsplatz“. Beim ersten Termin berichtet er empört, dass er eine Abmahnung bekommen habe. Seit zehn Jahren sei er nun schon im Unternehmen. Er sei stets loyal, würde seine Arbeit gut machen und sich mit allen gut verstehen – und das sei der Dank. Die Tatsache, dass er öfter Kurzerkrankungen hat, führt er auf seine Infektanfälligkeit zurück. Auch ist er einige Male zu spät zur Arbeit gekommen, doch dies sei „stressbedingt“.

    Im Laufe der Beratungssitzung stellt sich heraus, dass es schon in der Vergangenheit einige Gespräche mit seiner Führungskraft gegeben hat. Dabei wurde er sowohl auf Fehlverhalten als auch auf Fehlerhäufigkeit bei der Arbeit angesprochen.

    Seine private Situation schildert Herr M. wie folgt: Er sei seit zwei Jahren geschieden. Die Trennungssituation und die Tatsache, dass er seine 12-jährige Tochter nur noch an den vereinbarten Terminen sehe, hätten dazu geführt, dass er „viele schlaflose Nächte hat“. Finanzielle Sorgen aufgrund der Unterhaltsverpflichtungen und der neuen Situation krönen das Ganze. Er habe sich am Arbeitsplatz nichts anmerken lassen wollen „schließlich brauche ich das Geld für mich und meine Familie“.

    Am Ende offenbart er geknickt, dass er regelmäßig Kokain schnupfe. Erst ab und zu, in letzter Zeit regelmäßig, „nur so ist die Misere zu ertragen“.

    Durch zirkuläres Fragen erreicht die Beraterin, dass Herr M. die Sicht seines Vorgesetzten und auch seiner geschiedenen Ehefrau nachvollziehen kann: „Dass die so viel Geduld mit mir hatten, verstehe ich jetzt nicht mehr…“

    In den Folgegesprächen erklärt sich Herr M. bereit, einen stationären Drogenentzug mit Entwöhnung und Bearbeitung seines Suchtverhaltens zu machen. Auch informiert er seinen Vorgesetzten über die geplante stationäre Therapiemaßnahme. In dem sehr offenen Gespräch erfährt Herr M. zu seiner Freude auch die Gründe für die ihm gegenüber aufgebrachte Geduld: Sein Chef schätze ihn sehr und wolle ihn als Mitarbeiter nicht verlieren. Die Motivation möglichst schnell gesund an den Arbeitsplatz zurückzukehren ist groß.

    Das Fürstenberg Institut ist u.a. als Suchtberatungsstelle anerkannt und kooperiert mit verschiedenen Fachkliniken. Herr M. wird durch seine Beraterin in eine entsprechende Einrichtung vermittelt. Im Anschluss an den Klinikaufenthalt sind weitere Gespräche im Fürstenberg Institut zur Nachsorge und zum Wiedereinstieg in den Beruf geplant. In diesem Zusammenhang ist auch ein gemeinsames Gespräch mit dem Vorgesetzten geplant.

  • Herr R. (50, zwei Kinder 6 und 12) fühlt sich in einer ausweglosen Situation.

    Seine Frau droht ihm mit Rauswurf, weil er nur noch arbeitet. Außerdem ist er sich nicht sicher, ob die Ehe überhaupt noch intakt ist, emotional hat er sich bei dem ganzen Alltagsstress bereits von seiner Frau entfernt, sie sich auch von ihm. Geredet wird nur noch über Probleme und die Kinder, wenn sie überhaupt sprechen.

    Seine Mutter, die von seiner Frau abgelehnt wird, wird pflegebedürftig, Geschwister, die ihn unterstützen könnten, hat er nicht. Bei der Arbeit ist er unkonzentriert, alles fällt ihm schwer und dauert länger. Er fährt oft aus der Haut, auch zu Hause. Der Arzt hat Bluthochdruck und diagnostiziert, er bekommt Tabletten dagegen. Außerdem hat er zugenommen und droht an Diabetes zu erkranken. Er weiß keinen Ausweg mehr, es wächst ihm alles über den Kopf.

     

    Herr R. entscheidet sich für eine Face-to-Face-Beratung im Fürstenberg Institut. Im Erstgespräch wird deutlich, dass er sich in einer akuten Überlastungssituation befindet, die zum einen auf seine Eheprobleme und zum anderen auf die Pflegesituation seiner Mutter zurückzuführen ist. Die Gereiztheit, der erhöhte Bluthochdruck sowie die Konzentrationsschwierigkeiten zeigen, wie sehr die derzeitige Lebenssituation Herrn R. sowohl psychisch als auch physisch belasten.

    Um die drohende Diabetes einzugrenzen, vermittelt die Fürstenberg Beraterin Herrn R. zunächst den Kontakt zu einer Ernährungsberatung bei einem Diabetologen.

    Dann wenden Beraterin und Klient sich den psychischen Herausforderungen zu. Die Beraterin ermuntert Herr R. im Beratungsgespräch seinen Blick zunächst auf seine eigenen Ressourcen zu richten und zu schauen, was er in den letzten Wochen und Monaten geleistet hat. Herr R. wird sich der Doppelbelastung von Familie, Pflege und Beruf bewusst. Die Anerkennung der eigenen Leistung und des eigenen Engagements unterstützt ihn, die aktuelle Situation zu akzeptieren. Er ist stolz darauf, schon so lange durchgehalten zu haben und erkennt, dass er jetzt aber handeln muss, um nicht in eine weitere Abwärtsspirale zu kommen.

    Die Beraterin initiiert im Gespräch eine Rück-Besinnung auf kritische Zeiten in der Vergangenheit und fragt gezielt, wie diese gemeistert wurden. Damit richtet Herr R. seinen Blick auf seine Stärken und Kompetenzen und stärkt somit seine Zuversicht für die Bewältigung der aktuellen Situation. Dabei fallen ihm neue Lösungen bzw. Handlungsoptionen für die jetzige Situation ein.

    Mit einer lösungs- und zielorientierten Haltung vereinbaren Herr R. und die Beraterin kleine realisierbare Schritte für die nächste Zeit und versuchen, eine Vielzahl von möglichen Handlungsoptionen in den Blick zu nehmen. Um psychisch und physisch wieder ins Gleichgewicht zu kommen könnten Herrn R.  beispielsweise sportliche Aktivitäten, Hobbies oder Treffen mit Freunden helfen. Körperentspannungsübungen wie Progressive Muskelentspannung und Achtsamkeitsübungen könnten ihn unterstützen, innerlich wieder zur Ruhe zu kommen.

    Zu Beginn eines jeden Gesprächs im Fürstenberg Institut bewertet Herr R. auf einer Skala von 1-10 wo er sich bezogen auf sein Wohlbefinden gerade befindet und stellt sich die Frage, was er tun könnte, um beim nächsten Termin einen Punkt mehr auf der Skala nach oben zu erreichen. Das motiviert ihn, die geplanten Schritte in die Tat umzusetzen.

    Die Beraterin bietet darüber hinaus an, dass Herr R. gemeinsam mit seiner Frau die Paarberatung des Fürstenberg Instituts in Anspruch nehmen könnte. Diese bietet dem Ehepaar einen geschützten Rahmen, um die aktuelle Situation mit einem Paarberater aufzuarbeiten.

    In der Einzelberatung könnte Herr R. parallel für sich daran arbeiten, herauszufinden, was ihm bezüglich seiner Ehe wichtig ist und wie er selbst diese fortführen möchte.

    Auch seine Frau könnte sich in einer Einzelberatung im Fürstenberg Institut mit diesen Fragen auseinandersetzen.

    Um die Pflege der Mutter zu organisieren, könnte sich Herr R. an den Work-Life-Service (WLS) des Fürstenberg Instituts wenden, sofern sein Unternehmen diese Dienstleistung mit gebucht hat. Ist das Unternehmen kein WLS Kunde, empfiehlt die Beraterin Herrn R. an einen wohnortnahen Pflegestützpunkt.  Neben einer Pflegeberatung gibt es hier auch die Möglichkeit, sich einer Angehörigengruppe von Pflegebedürftigen anzuschließen. Der Austausch mit anderen betroffenen Familien wird oftmals als sehr entlastend wahrgenommen.

    Im Verantwortungsbereich von Herrn R. liegt die Entscheidung, was ihm auf ihren Weg zur Lösung des Problems hilfreich erscheint, welche zieldienlichen Denk- und Handlungsoptionen er auswählt und welche Ressourcen er dafür einsetzen kann und möchte.

    Die Gestaltung des Beratungsprozesses zielt drauf ab, einen kommunikativen Rahmen zu gestalten, der respektvoll und interessant genug ist, damit ein Austausch von Ideen stattfinden kann, der es dem Klienten ermöglicht, neue Perspektiven zu entdecken.

  • Zwischen Frau M. und ihrer Büronachbarin Frau Z. ist die Stimmung angespannt. Inzwischen sprechen die beiden nicht mehr miteinander. Die Vorgesetzte Frau D. wurde bereits um Hilfe und Konfliktlösung gebeten, ist aber zunehmend genervt, von den Kleinigkeiten, über die die beiden Mitarbeiterinnen sich streiten und der Erwartungshaltung, dass sie immerzu schlichtet. Frau D. wendet sich an einen Führungskräfteberater des Fürstenberg Instituts.

     

    Im Rahmen einer Auftragsklärung wird mit der Führungskraft herausgearbeitet, was ihr Anliegen bezüglich des oben genannten Teamkonflikts ist. Zum einen besteht die Möglichkeit, die Vorgesetzte in ihrer Rolle bei der internen Konfliktbearbeitung zu unterstützen oder zum anderen die Möglichkeit, dass das Fürstenberg Institut die Konfliktklärung im Rahmen einer Moderation mit den Mitarbeiterinnen übernimmt.

    In der Klärung von Konflikten werden zunächst vordergründige Anlässe und die Hintergründe des Konflikts vom Berater abgefragt. Um eine realistische Einschätzung der Gesamtsituation vornehmen zu können, ist es wichtig zu erfahren, ob bereits geleistete Klärungsversuche missglückt sind und was bereits zur Verbesserung der Situation unternommen wurde.

    Zudem ist es hilfreich eine Einschätzung des Ratsuchenden dahingehend zu erhalten, inwieweit die Beteiligten bereit sind, sich auf die geplante Maßnahme einzulassen. Insbesondere da derzeit überhaupt keine Kommunikation zwischen den Beteiligten mehr stattfindet, ist dies im Vorwege zu prüfen. Wenn es auf beiden Seiten diesbezüglich keine Bereitschaft gibt, könnte es eventuell sinnvoll sein, mit beiden jeweils ein Vorgespräch zu führen, um Bedenken und Fragen zum Prozessablauf zu klären.

    Sollte Frau D. die Konfliktklärung selbst übernehmen wollen, kann die Beratung des Fürstenberg Instituts sie unterstützen, sich auf diese Rolle vorzubereiten. Hierbei müssen Fallstricke wie die Doppelrolle als Vorgesetzte und Moderatorin in den Blick genommen werden. Eine Doppelrolle dieser Art kann auch zu einem Interessenskonflikt führen, da die Vorgesetzte während der Moderation ggf. eigene Ziele verfolgt. Ebenso kann der Berater Frau D. Techniken der Gesprächsführung vermitteln, um sie dabei zu unterstützen, einen geeigneten Gesprächsrahmen für alle Beteiligten zu arrangieren.

    Eine externe Moderation empfinden viele Vorgesetzte als hilfreich, da der Moderator aus einer professionellen Distanz heraus, den Beteiligten allparteilich gegenübertritt. Das bedeutet, dass der Berater den Konfliktparteien gegenüber gleichermaßen Verständnis aufbringt, sich aber auch nicht zu stark mit ihnen identifiziert. Ebenfalls von Vorteil ist, dass sich ein externer Moderator vollumfänglich auf die Prozesssteuerung konzentrieren kann und sich die Konfliktbeteiligten auf ihre Themen und Inhalte konzentrieren können.

    Sollte die Klärungshilfe durch das Fürstenberg Institut gewünscht sein, werden die Ziele und Erwartungen des Vorgesetzten an den externen Moderationsprozess geklärt und allen beteiligten Personen zu Beginn des Prozesses transparent dargelegt.  Frau D. formuliert im Vorwege, was sie von den Kolleginnen bezüglich ihrer Zusammenarbeit erwartet.

    Nachdem das Vorgehen festgelegt wurde, treffen sich alle am Konflikt Beteiligten und werden jeweils gebeten, ihre subjektive Sicht zum Konflikt darzulegen. Da es sich in diesem Fall um viele Kleinigkeiten handelt, wird der Moderator das Gespräch strukturieren und visualisieren.

    Durch die Gestaltung und Steuerung des Gesprächsablaufs kann der Moderator dazu beitragen, eine Eskalation zu verhindern und einen geschützten Rahmen zu schaffen, in dem Lösungsoptionen entwickelt werden. Hierbei hat der Moderator immer die sachliche Ebene zur Erreichung des Teamziels vor Augen. 

    Die Gestaltung des Gesprächsverlaufs erfolgt aus einer ressourcen- und lösungsorientierten Haltung. Der Moderator richtet seinen Blick immer wieder darauf, was zur Klärung des Konflikts hilfreich ist. Ziel ist es, die Problemtrance zu überwinden. Gelingt es den beiden Kolleginnen beispielsweise in der Konfliktmoderation, sich über ihre Themen wieder konstruktiv zu verständigen, spiegelt der Moderator diesen Entwicklungsschritt den Beteiligten zurück.

    Entscheidend ist, dass im Moderationsprozess auch Verabredungen über die zukünftige Zusammenarbeit festgelegt werden. Im Rahmen einer Nachsorgephase kann eine Begleitung und Überprüfung des Transfers in den Berufsalltag vorgenommen werden.

  • Herr M., 47 Jahre alt, ist in einer führenden Position tätig. Er ist verheiratet und hat zwei jugendliche Kinder. Er kommt mit seiner Frau in die Beratung und schildert folgendes Problem: Er sei beruflich stark eingebunden und deshalb abends immer erst sehr spät zuhause. Manchmal müsse er auch am Wochenende arbeiten. Seine Frau mache ihm starke Vorwürfe, weil sie sich mit allem, so auch mit den Problemen der jugendlichen Kinder, von ihm allein gelassen fühle. Sie habe schon von einer Trennung gesprochen, wenn sich der Zustand nicht ändere. Durch die daraus resultierenden Streitereien habe er manchmal schon gar keine Lust mehr, nach Hause zu kommen und bleibe dann lieber extra länger im Büro.

    In der Beratung machen sich die Ehepartner zunächst gegenseitig für die Probleme verantwortlich: „Wenn du nicht so viel arbeiten würdest“, „Wenn Du mir nicht immer Vorwürfe machen würdest“. Nach dem ersten Gespräch machen sich sowohl Herr M. als auch seine Frau Gedanken darüber, was sie jeweils selbst bereit sind, zu verändern. Dies setzen sie im weiteren Verlauf der Beratung recht konsequent um:

    • Herr M. analysiert seinen Arbeitsstil, nimmt Umstrukturierungen vor und arbeitet mit weniger Zeit trotzdem effektiver. Er macht öfter früher Feierabend, nimmt sich dann aber nicht nur Zeit für seine Frau und die Kinder, sondern geht gelegentlich in die Sauna oder treibt Sport.
    • Frau M. wird klar, dass sie ihr Leben zu sehr auf ihren Mann konzentriert hat und nutzt die Zeit, in der ihr Mann nicht zuhause ist, mehr für eigene Aktivitäten.
    • Es gelingt dem Paar, dass wenn Herr M. abends von der Arbeit zurückkommt, er sich bei Bedarf eine kurze Ruhezeit gönnen kann, ohne sofort von allen Familienmitgliedern „beansprucht zu werden“ – danach ist er im Regelfall offener für die Familie.

    Das wichtigste Ergebnis der Beratung ist, dass die beiden Ehepartner durch diese zunächst kleinen Veränderungen nicht mehr so häufig Spannungen haben, sondern sich gegenseitig wieder besser zu schätzen wissen. Das beeinflusst die Beziehung und die Atmosphäre zuhause insgesamt positiv.

  • Dieser Eindruck entsteht immer wieder in der Beratung. Unabhängig davon, worum es inhaltlich eigentlich geht: Ein Konflikt scheint ein Zustand zu sein, den man schnellstmöglich beenden sollte oder – noch besser – er tritt gar nicht erst ein. Um Letzteres zu erreichen, zahlen viele Menschen mitunter einen hohen Preis. Doch ein Konflikt birgt immer auch eine Entwicklungsmöglichkeit. Wer die Auseinandersetzung meidet, verschenkt diese wichtige Chance.

    Ein Beispiel: Sandra S. teilt sich mit einer älteren Kollegin das Büro. Die Kollegin hat die Angewohnheit, den ganzen Tag bei offenem Fenster zu arbeiten – Sommer wie Winter. Auf den höflichen Vorschlag, gerne zwischendurch zu lüften, aber ansonsten das Fenster geschlossen zu halten, geht sie nicht ein. Daraufhin bricht ein Streit zwischen den beiden aus, die ältere Kollegin verlässt wütend und türenschlagend das Büro. Sandra S. ist geknickt und beschließt, sich am nächsten Tag zu entschuldigen und das offene Fenster wortlos zu akzeptieren. Hauptsache, es herrscht wieder Frieden. Hätte sie ihren Plan umgesetzt, hätte sie nie die wahren Gründe für den Wunsch nach dem offenen Fenster erfahren. Die ältere Kollegin leidet in geschlossenen Räumen unter einem massiven Gefühl der Enge, was ihr zudem sehr peinlich ist.

    Einen Konflikt nicht zu umgehen, sondern auszuhalten und auszusprechen, kann zu einem Zugewinn an Information führen. Und schließlich ist es ja ein Trugschluss zu glauben, Dinge seien nicht da, nur weil man sie nicht ausspricht. Dann können sie ungeklärt vor sich hin schwelen. Bleibt die Frage, was besser ist: Drückende Schwüle oder ein reinigendes Gewitter. Konflikt und Streit gehören zum Leben dazu. Vielleicht ist das manchmal unangenehm. Aber für unsere Entwicklung wichtig.

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