Beratungsfall

Praxisbeispiele EAP

Ein Fall aus der Beratung ...

Tausende Ratsuchende kommen jährlich zu uns in die Beratung. Wir stellen Ihnen nachfolgend einige Beratungsfälle aus der Praxis vor. Die Fälle wurden mit dem Einverständnis der Betroffenen anonymisiert.

 

  • Kindergeburtstage fallen aus, Oma darf nicht umarmt werden und Freunde treffen geht auch nur eingeschränkt: So manches Kind erlebt gerade seine erste handfeste Lebenskrise. Wie Eltern ihre Kinder unterstützen können, diese zu meistern.

    Frau D.* hat kurzfristig eine Online-Beratung gebucht. Zum allerersten Mal. Aber sie weiß sich anders nicht mehr zu helfen… Sie kann sich überhaupt nicht mehr auf ihren Teilzeit-Job konzentrieren, hat sich zuletzt auch schon einige Male deswegen krankgemeldet. Ihre Gedanken kreisen nur um eins: Ihr Sohn ist fünf Jahre alt und war eigentlich immer ein munteres, zufriedenes Kerlchen. Aber jetzt, in diesem zweiten Lockdown, ist es anders: Er zieht sich zurück oder wird aggressiv. Dann ist er wieder traurig oder will nicht mal mehr raus. Und als nun letzte Woche sein Geburtstag nicht wie geplant im Indoor-Spielplatz, sondern in kleiner Runde zu Hause stattfand, war er todunglücklich. Das hat Frau D. das Herz gebrochen. Dabei versucht sie seit Wochen, es ihm schön zu machen, ihm die Corona-Zeit irgendwie erträglich zu machen.

    Ich frage Frau D. zum Einstieg, wie sie eigentlich in der Corona-Krise mit all ihren beruflichen und privaten Herausforderungen zurechtkommt. Es sei schon nicht so leicht, alles unter einen Hut zu bringen: Job, Kind, die eigenen Sorgen… Und wie stark belasten sie die beobachteten Verhaltensänderungen ihres Sohnes im Alltag? Sehr, sagt Frau D. 

    Hier setze ich an und gebe Frau D. ein paar generelle Informationen. Das dient vor allem ihrer Entlastung. Corona macht Angst – und ja: Es nimmt Einfluss auf uns alle. Zusätzlich wiegen die Sorgen unserer Liebsten schwer. Das ist ganz normal, es ist menschlich. Als Eltern liegt die große Herausforderung darin, für die Kinder trotz allem eine Stütze zu sein. Dem Kind das Gefühl zu vermitteln: Bei Mama (oder Papa) kann ich Sicherheit auftanken. Das ist nicht immer leicht, gerade aktuell nicht. Aber es ist möglich.

    Eine ganz andere Frage ist: Traut Frau D. ihrem Sohn denn überhaupt zu, diese Krise bewältigen zu können? Hat sie dieses Vertrauen? Hmmm… Frau D. überlegt kurz: Eigentlich schon… aber egal, wie sie es ihm erklärt, er rutscht immer wieder in diese negative Haltung. Das "eigentlich" verrät es: So richtig traut sie es ihm doch nicht zu. Das wiederum spürt das Kind intuitiv­ und traut es sich selbst auch nicht zu. Ein Teufelskreis. 

    Darf er die Krise denn doof finden oder erwartet Frau D., dass sie es ihm erklärt und er dann sagt: "Okay, Mama. Jetzt habe ich verstanden. Wie doof von mir, ich muss ja gar nicht traurig sein!"? Frau D. lacht: Doch, das dürfe er. Es ist ja auch ziemlich doof mit Corona. Aber ja, irgendwie versucht sie ihm immer wieder, die Situation zu erklären und schön zu reden.

    Hier gehe ich mit Frau D. wieder in die Meta-Perspektive: Indem ich erwarte, dass das Kind Hurra schreit, weil ich es erkläre, verlasse ich die Augenhöhe mit dem Kind. Denn, ich weiß etwas, weshalb die aktuellen Gefühle des Kindes offensichtlich keinen Sinn ergeben. Aber das Kind möchte sich gesehen fühlen in seinem Gefühl. Möchte mit seiner Traurigkeit, seiner Wut, seiner Ratlosigkeit nicht so allein sein. 

    Wir gehen noch etwas mehr in die Distanz und betrachten gemeinsam das Big Picture: Frau D.s Familienideal, in dem das Kind eine sorglose Kindheit haben soll. Wenn es die hat, dann wird es ein glücklicher Mensch. Ist dem so? – möchte ich wissen. Frau D. nickt: Sie selbst hatte keine schöne Kindheit, ihrem Sohn soll es da besser ergehen.

    Die Schwierigkeit an dieser weit verbreiteten Betrachtungsweise ist die Objektivierung des Kindes: Wenn das Kind genau auf die eine Weise seine Kindheit erlebt, wird es ein glückliches Kind – auf die andere Weise unglücklich. Dieser Kausalzusammenhang ist so nicht haltbar und nimmt dem Kind seine persönliche und freie Entscheidung, wie es auf die Welt und ihre Herausforderungen reagieren möchte. Die Tatsache, dass zwischen Reiz und Reaktion der freie Wille des Menschen liegt, unterscheidet uns von den Tieren.

    Aufgrund dieser Tatsache startete Emmy Werner 1955 ihre Pionierstudie zu Entwicklung von Resilienz und legte damit den Grundstein für die heutigen Konzepte zu dem Thema. Resilienz ist die Widerstandskraft in Krisen. Sie ist nicht etwas, das man tun oder sein kann: Resilienz ist das Ergebnis von dem, was ich tue und wie ich denke. Und das Schöne daran: Sie ist lernbar. Aber dafür braucht es tatsächlich Krisen. Und das lernt man am besten schon in der Kindheit – mit Eltern, die einem in diesem nicht einfachen Prozess zur Seite stehen Die Botschaft ist: Wir gehen zusammen durchs Leben, auch dann, wenn's mal nicht einfach ist. Denn seien wir ehrlich: Krisen gehören zum Erwachsenwerden – von den ersten schlechten Noten bis hin zum Liebeskummer. Falsche Hoffnungen machen, bringt nichts. Und selbst in der aktuellen Pandemie-Ausnahme-Situation, hilft es, den Blick auf etwas Gutes zu richten: wie die Erfahrung des familiären Zusammenhalts. 

    Die restliche Zeit verbringen wir damit, das Gehörte in tatsächliche To-Dos für zu Hause zu übersetzen, damit Frau D. etwas zu tun hat und sie und ihr Sohn aus der Ohnmacht rauskommen: So könnte sie ihm mehr Wahlmöglichkeiten bauen, aus denen er aktiv wählen kann. Sei es die einfache Tatsache, dass ihr Sohn beim Einkauf einen Aufstrich aussuchen soll, der wohl allen schmecken könnte oder ihn zu Hause entscheiden zu lassen, ob er heute oder morgen baden möchte. Oder doch lieber duschen? Es geht also vor allem um kleine Freiheiten, die gleichzeitig den Eltern Entlastung bringen. So kommt Ruhe ins System.

    Sie könnte ihrem Kind auch mehr Verantwortung und Aufgaben übertragen, so dass er sich gebraucht fühlt und wirken kann. Zum Beispiel könnte Sie ihn bitten, den Abendbrottisch zu decken – ganz auf seine Weise. Frau D. lacht: Sie hat schon eine Ahnung, wie's dann aussehen wird! Aber die Idee gefällt ihr.  So erfährt auch der Sohn von Frau D. wieder Selbstwirksamkeit. Und das ist eines der stärksten Tools, um Krisen zu bewältigen. Außerdem möchte Frau D. ihm, wenn er wieder wackelt, sagen, dass das völlig in Ordnung ist. Frau D. spürt, wie sehr es sie selbst beruhigt, wenn sie ihm das sagen kann. Kein Wunder: Hilfe zu geben, ist immer auch Selbsthilfe.

  • Ein exzellenter und verlässlicher Mitarbeiter wird zusehends unkonzentriert, müde und gereizt – und landet in der Beratung von Reinhild Fürstenberg.

    Herr M.*, 46, ist seit zehn Jahren als Vertriebsmitarbeiter tätig. Von Anfang an wurde er von allen als ein sehr leistungsorientierter und verlässlicher Mitarbeiter geschätzt. Seine Arbeitsergebnisse sind exzellent. Bei den Kolleg*innen ist Herr M. wegen seiner Hilfsbereitschaft beliebt. Niemand kann sich daran erinnern, dass er einmal "nein" zu einer Bitte gesagt hätte.

    Im Laufe der letzten sechs Monate aber, begann Herr M. sich zu verändern. Er wurde zusehends unkonzentrierter, wirkte müde und häufig gereizt. Als Herr M. vor kurzem zwei Tage ausfiel, ohne sich ordentlich krankzumelden, sprach ihn seine Führungskraft darauf an. Herr M. räumte ein, dass es ihm nicht gut gehe. Er berichtet von innerer Unruhe, Herzrasen und Erschöpfung: Morgens komme er nicht hoch, abends kann er nicht einschlafen. Dazu kommt nächtliches Wachliegen mit stundenlangen Grübeleien über die Arbeit. Auch sei seine private Situation in letzter Zeit sehr belastend. Nach diesem Gespräch riet ihm seine Führungskraft, sich mal bei uns zu melden.

    Zwei Tage später sitzt er mir nun gegenüber: Sichtlich nervös – er ist doch nicht psychisch krank … Außerdem hat er noch nie mit einer fremden Person über persönliche Themen gesprochen. Wo soll er bloß anfangen?! Doch dann sprudelt es nur so aus ihm heraus: Er sei der Buhmann für eine Neuerung in der Abteilung, für die er gar nicht die Verantwortung trage. Dazu das neue Projekt ohne ausreichend Zeit. Zudem ist auch noch seine Frau erkrankt und erwarte seine volle Aufmerksamkeit zu Hause – Zeit für sich: Fehlanzeige! Er muss sich kümmern und stark sein.

    Die Symptome lassen einen Burnout vermuten. Burnout ist häufig anzutreffen bei hochengagierten Mitarbeitern, gerne in Kombination mit Schwierigkeiten, sich abzugrenzen. Herr M. gibt alles für andere – und sich dabei auf. Dem will ich in der Beratung auf den Grund gehen. Wichtig bei diesem Symptomkomplex: eine ärztliche Abklärung. Wenn seine körperlichen Symptome nicht medizinisch begründet sind, starten wir mit der Aufarbeitung der mentalen Stellschrauben.

    Aus der Situationsbeschreibung lese ich heraus, dass es Herrn M. nicht möglich ist, für seine eigenen Bedürfnisse zu sorgen. Weder im Job noch privat. Unbewusst wartet er ab, dass andere hellseherisch seine Grenzen, Bedürfnisse und Wünsche erahnen. Dies mal so benannt, wird es auch Herrn M. klar: Er muss sich sichtbar machen! Dazu braucht er eine gesunde NEIN-Kompetenz, das große Thema Abgrenzung. Denn ein NEIN ist auch immer ein JA zu etwas anderem. Die Erkenntnis macht Herrn M. zunächst unruhig: Wie soll das gehen? Wenn er an sich denkt, werden die anderen ja nun mal nicht Hurra schreien … und sind bestimmt enttäuscht von ihm.

    Die Angst vor Ärger mit anderen ist einer der Fallstricke schlechthin für eine stabile Abgrenzung. Also spreche ich diese Angst an: Ob die anderen denn sauer sein dürften? Oder ob sie Hurra schreien müssten? Nein, findet Herr M. Es sei eigentlich, so betrachtet, okay. Er könne sich ja erklären. Auch hier hake ich ein: Wie lange würde er denn reden: Bis der andere endlich nickt und sagt: "Ach so! Na klar! Du hast recht. Wie konnte ich so blöd sein und das nicht so sehen?" Hier wird deutlich, wie absurd dieses Unterfangen sein wird.

    Ich arbeite also mit Herrn M. im Weiteren heraus, was er selbst dafür tun könne, um sich sichtbar zu machen.

    Herr M. fühlt sich schon jetzt entlastet! Ihm ist klar geworden, dass die anderen nicht wissen können, wann es genug für ihn ist. Er will nun als Erstes mit seiner Führungskraft besprechen, wie seine Projekte anders verteilt werden können. Und seit langer Zeit freut er sich, seiner Frau zu berichten, was er erlebt hat. Er möchte sich auch ihr mehr zeigen, ihr erzählen, wie es ihm wirklich geht und mit ihr gemeinsam sein Bedürfnis nach mehr Ruhe und Ich-Zeit besprechen.

    Auf der zu Beginn der Sitzung angelegten Befindlichkeitsskala ist er von einer 2 auf eine 8 gekommen – weiter als er dachte! Ich will noch wissen, wo er das fühlt? Vor allem in der Brust, sagt Herr M. Er fühle dort nun mehr Raum und könne freier atmen.

    Wir verabreden, uns in einer Woche erneut zu einer Beratung zu treffen. Voraussichtlich wird sich seine Situation nach zwei bis drei weiteren Beratungen fast vollständig lösen. Gute Aussichten!

  • Ehepaar H. geht sich im erzwungenen Homeoffice richtig auf die Nerven. Böse Worte in der Kaffeepause, zu wenig "Me"-Time und kein Sex mehr nach Feierabend. Wie kommen sie da wieder raus?

    In die Online-Beratung hat sich Ehepaar H. eingeloggt: Sie sind seit sieben Jahren verheiratet, waren immer viel unterwegs, liebten das Reisen, haben einen großen Freundeskreis und aßen gern und oft auswärts. Ihnen ging es immer gut miteinander. Auch, dass die Ehe kinderlos blieb, wurde nie ein Thema – sie hatten ja sich!

    Den ersten Corona-Shutdown haben sie gemeinsam gut gemeistert, haben im Homeoffice nebeneinander gearbeitet und mit Nachbarn und Freunden die Abende im Freien verbracht, auf dem Fahrrad die nähere Umgebung erkundet oder ihr Lieblingsessen nach Hause bestellt. Dann kam die zweite Welle. Die fühlt sich irgendwie ganz anders an, irgendwie nicht mehr gemeinsam - eher gemeinsam einsam…

    Jeder arbeitet im Homeoffice vor sich hin, die Stimmung ist angespannt und anstrengend. Das überträgt sich auch auf die Stimmung am "Arbeitsplatz". Richtig entspannt Pause machen kann eigentlich keiner von beiden mehr, denn es gibt immer nur Nörgeleien statt netter Gespräche. Selbst beim Kaffeeholen in der Küche führen Kleinigkeiten zu Grundsatzfragen. So arbeiten beide oft den Tag über einfach durch. Das erhöht das Stresslevel und die Anspannung. Herr und Frau H. gehen sich zu Hause aus dem Weg und verstehen überhaupt nicht, was mit ihnen passiert ist. 

    Bereits hier setze ich an und kläre Frau und Herrn H. darüber auf, dass es gerade vielen Paaren so geht: Dass durch den Corona bedingten Wegfall ihrer gewohnten Strukturen und Lebensentwürfe nicht nur der persönliche Ausgleich fehlt, sondern auch menschliche Grundbedürfnisse wie Sicherheit und Planbarkeit in Frage gestellt sind. Zudem sorgen Homeoffice und Ausgeh-Beschränkungen nun vor allem in den dunklen Monaten für den sogenannten "Dichtestress": kein Raum und keine Zeit für die/den Einzelne*n, keine "Me-Time", ständiges "Aufeinanderhocken". Das erzeugt ein Gefühl von Unfreiheit. Für dieses unfreie Gefühl wird dann die/der andere verantwortlich gemacht: Er solle doch bitte mal mehr im Haushalt mithelfen, sie solle ihm nicht ständig sagen, was er zu tun habe. Er solle aber doch sehen, was sie alles tut! Tut er ja, erwidert er – was er denn noch alles tun solle?! Keine*r der beiden fühlt sich mehr gesehen oder verstanden.

    Als Beraterin weiß ich: In der Beziehungsdynamik ist dies der Moment, wo die "Beziehungswippe" kippt: Jeder hat das Gefühl, dass die / der andere irgendwie von oben herab auf einen schaut und sagen will, wie es geht. Man fühlt sich unterlegen und wird reaktant – also trotzig. Interessanterweise sieht die Situation aber von beiden Seiten gleich aus. Jede*r denkt, sie bzw. er sitzt auf der Wippe unten: oben die Macht und unten die Ohnmacht.

    Wie nun Rauskommen aus dieser verfahrenen Situation in Zeiten von Corona? Ich frage das Ehepaar H., was sie sich wünschen? Herr H. hätte einfach nur gerne wieder die Ruhe und Selbstverständlichkeit ihrer Beziehung zurück…. Frau H. wünscht sich wieder mehr Nähe. Dann würde sie sich auch wieder gesehen fühlen. Und dann hätte sie sicher auch wieder mehr Lust auf Sex. Denn auch das Liebesleben des Paares leidet unter der aktuellen Situation. 

    Ich mache dazu eine Übung mit den beiden. Das ist auch online oder sogar per Telefon kein Problem. Im ersten Teil der Übung sollen beide aufschreiben, was sie selbst zur Verbesserung der Paar-Situation beitragen könnten. Jeweils eine Sache auf ein Blatt. Sich daran zu erinnern, was man früher füreinander getan hat, bringt das Paar auf gute Ideen. Danach werden die Zettel vorgelesen. Beide sind überrascht: Herr H. könnte seiner Frau wieder mehr zuhören, weniger am Handy sein und sie mal wieder mit Blumen oder etwas anderem überraschen. Frau H. möge mehr "fragen satt sagen", ihn mal wieder "Hase" nennen und ihm sein Handy lassen. Vor allem über das Handy müssen sie sehr lachen. Jeder darf sich nun die Zettel vom anderen nehmen, die sie oder er wirklich hilfreich fänden. Die anderen Zettel dürfen mit einem "Dankeschön" liegen gelassen werden – als schöne Ideen zur Lösung, die aber gar nicht nötig sind. 

    In der zweiten Runde bitte ich beide aufzuschreiben, was sie vom anderen brauchen, damit es ihnen unter den gegebenen Bedingungen besser geht (nicht, was sie nicht brauchen!). Und auch diese Stapel werden im Anschluss vorgelesen: Herr H. braucht von Frau H. mehr Zeit, die Dinge selbst zu tun, die sie mal eben schnell - mit Vorwurf - tut. Er wünscht sich mehr Gelassenheit von seiner Frau, wenn er die Dinge anders macht. Er will seine Jacke über dem Stuhl am Esstisch hängen lassen, er braucht das Wohnzimmer auch mal für sich allein, er möchte nicht alles diskutieren, sondern auch mal einfach ein "Ja" hören – und er hätte gerne wieder gemütliche Kuschelzeiten mit ihr.

    Frau H. will wieder mehr in den Arm genommen werden, sie will nicht mit dem ganzen Haushalt allein gelassen werden, sie will von ihm wieder "so" angeschaut werden. Sie bräuchte Gesten der Liebe, so wie früher die kleinen Zettelchen hier und da. Sie wünscht sich mehr Wertschätzung und möchte auch mehr gesehen werden. Dann würde sie auch wieder Lust auf körperliche Nähe bekommen. Und ja, sie möchte auch mal das Wohnzimmer für sich haben. Auch hier müssen beide von Herzen lachen. 

    Danach sagen beide, welches Bedürfnis des anderen sie bzw. er auch wirklich erfüllen kann und möchte – dabei wird ebenso deutlich, an welcher Stelle unerfüllbare Erwartungen an den Partner gestellt werden. Auch wenn es keine Festlegung auf Ewigkeit ist: Hier heißt es nun, selbst für diese Bedürfnisse Sorge zu tragen, also Eigenverantwortung zu übernehmen, wodurch auch die leidige Position der Ohnmacht aufgelöst wird. 

    Das Paar tauscht sich auch über die Bedürfnisse aus, die vom jeweils anderen nicht ausgewählt wurden: So meint Herr H. zum Beispiel, dass er nicht genau weiß, was mit Haushalt gemeint ist, denn bei vielen Dingen fühlt er sich unsicher, da sie es ja immer macht. Auch weiß er mit Wertschätzung nichts anzufangen. Hier wird die Wichtigkeit deutlich, dass Bedürfnisse messbar vermittelt werden müssen: Woran genau erkennt Frau H. Wertschätzung? Wie oft genau soll Herr H. genau was im Haushalt tun?

    Allein durch die Fokussierung auf die Erfüllung eigener und gegenseitiger Bedürfnisse durch diese Übung sind beide wieder offen füreinander und positiv nach vorne ausgerichtet – das fällt mir sogar über den Bildschirm auf: Sie sind einander mehr zugewandt, schauen sich in die Augen und lachen mehr miteinander.

    Zum Ende der Stunde frage ich, wie sie das Wohnzimmer aufteilen wollen. Ganz pragmatisch! Und wie sie das, was für sie vor der Corona-Zeit wichtig war, in die jetzige Lockdown-Situation übertragen können? Bei genauer Betrachtung ist doch oft mehr möglich als man denkt. Dann entspannt sich auch die Arbeitssituation im Homeoffice wieder und das wird auch für Kolleg*innen und Kunden spürbar. 

    Als Hausaufgabe gebe ich ihnen mit, sich wieder mehr anzufassen, sich zu umarmen und zu küssen – und einen Monat lang keinen Sex zu haben. Denn Sex ist für Frau H. unter den gegebenen Bedingungen (noch) nicht möglich, den Zettel hatte sie liegen gelassen. Beide stutzen. Aber bei einer Sex-Blockade ist es wichtig, sich vorsichtig annähern zu können, ohne "Gefahr" zu laufen, dadurch beim Sex landen zu "müssen". Da jedoch dem Körper (der Berührung) die Emotion folgt, in der Wissenschaft "Embodiment" genannt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, 'verbotenerweise' doch noch Sex zu haben… Na sowas!

  • Frau B. ist 42 Jahre und seit elf Jahren als Chefsekretärin tätig. Vor einem dreiviertel Jahr bekam sie am Wochenende plötzlich massives Herzrasen und fürchtete einen Herzinfarkt zu erleiden. Im Krankenhaus, das sie sofort aufsuchte, bestätigte man ihr nach vielen Untersuchungen, dass sie organisch gesund sei. Dennoch trat das Herzrasen erneut auf, so dass sie einen Herzspezialisten konsultierte, der ebenfalls keine körperliche Ursache diagnostizieren konnte. Nachdem die Symptome nicht aufhörten, sondern immer häufiger auftraten und sie von drei weiteren Ärzten keine Diagnose erhielt, wurde ihr eine Therapie angeraten, da psychische Ursachen für ihre Beschwerden vermutet wurden. Noch verärgert darüber, dass die Ärzte nichts gefunden hatten, kam Frau B. ins Institut. Mittlerweile war sie schon mehrmals über mehrere Wochen krankgeschrieben.

    In der Beratung wurde Frau B. zunächst darüber aufgeklärt, dass psychosomatische Beschwerden, wie beispielsweise Herzrasen, häufig eine sinnvolle Reaktion des Körpers seien, mit denen er reagiere, wenn im Leben etwas „nicht stimmt“. Mit Frau B. wurde als erstes erarbeitet, was sie ganz konkret beim erneuten Auftreten von Herzrasen tun könne. Bereits im nächsten Gespräch berichtete sie, dass sie dieser Plan sehr beruhigt habe – vermutlich war das Herzrasen allein aus diesem Grunde etwas zurückgegangen.

    Frau B. führt „äußerlich“ ein sehr geordnetes Leben. Im Laufe der Beratung stellte sich jedoch heraus, dass sie „innerlich“ sehr unglücklich mit mehreren Begebenheiten war.

    So hatte sie eine mehr als zwei Jahre zurückliegende Trennung noch nicht wirklich überwunden. Darüber hinaus war sie mit ihrer Lebenssituation insofern nicht zufrieden, als dass sie immer nur funktioniere und wenige Dinge tat, die ihr wirklich Freude bereiteten. Außerdem zeigte und verhielt sich Frau B. nach außen häufig sehr hart und belastbar. Wie nah ihr vieles ging, hielt sie verborgen.

    Aufgrund der Beratung begann Frau B. zunächst, ihre Freizeit umzugestalten: Sie verfolgte verstärkt ihre eigenen Interessen und unternahm öfter etwas, was ihr wirklich guttat.

    Im zweiten Schritt wurde auch ihre Trennung bearbeitet, was ihr zunächst nicht leichtfiel, sie langfristig aber sehr erleichterte.

    Im Laufe der Beratung lernte Frau B. viele neue Seiten an sich kennen und konnte sich zunehmend authentisch geben. Parallel zu ihren Veränderungen ging auch das Herzrasen zurück. Wenn dieses heute noch einmal auftritt, versteht sie dies als Hinweis wieder verstärkt auf sich und ihre Bedürfnisse zu achten.

  • Herr M., 42 Jahre, vereinbart einen Beratungstermin und nennt als Thema „Probleme am Arbeitsplatz“. Beim ersten Termin berichtet er empört, dass er eine Abmahnung bekommen habe. Seit zehn Jahren sei er nun schon im Unternehmen. Er sei stets loyal, würde seine Arbeit gut machen und sich mit allen gut verstehen – und das sei der Dank. Die Tatsache, dass er öfter Kurzerkrankungen hat, führt er auf seine Infektanfälligkeit zurück. Auch ist er einige Male zu spät zur Arbeit gekommen, doch dies sei „stressbedingt“.

    Im Laufe der Beratungssitzung stellt sich heraus, dass es schon in der Vergangenheit einige Gespräche mit seiner Führungskraft gegeben hat. Dabei wurde er sowohl auf Fehlverhalten als auch auf Fehlerhäufigkeit bei der Arbeit angesprochen.

    Seine private Situation schildert Herr M. wie folgt: Er sei seit zwei Jahren geschieden. Die Trennungssituation und die Tatsache, dass er seine 12-jährige Tochter nur noch an den vereinbarten Terminen sehe, hätten dazu geführt, dass er „viele schlaflose Nächte hat“. Finanzielle Sorgen aufgrund der Unterhaltsverpflichtungen und der neuen Situation krönen das Ganze. Er habe sich am Arbeitsplatz nichts anmerken lassen wollen „schließlich brauche ich das Geld für mich und meine Familie“.

    Am Ende offenbart er geknickt, dass er regelmäßig Kokain schnupfe. Erst ab und zu, in letzter Zeit regelmäßig, „nur so ist die Misere zu ertragen“.

    Durch zirkuläres Fragen erreicht die Beraterin, dass Herr M. die Sicht seines Vorgesetzten und auch seiner geschiedenen Ehefrau nachvollziehen kann: „Dass die so viel Geduld mit mir hatten, verstehe ich jetzt nicht mehr…“

    In den Folgegesprächen erklärt sich Herr M. bereit, einen stationären Drogenentzug mit Entwöhnung und Bearbeitung seines Suchtverhaltens zu machen. Auch informiert er seinen Vorgesetzten über die geplante stationäre Therapiemaßnahme. In dem sehr offenen Gespräch erfährt Herr M. zu seiner Freude auch die Gründe für die ihm gegenüber aufgebrachte Geduld: Sein Chef schätze ihn sehr und wolle ihn als Mitarbeiter nicht verlieren. Die Motivation möglichst schnell gesund an den Arbeitsplatz zurückzukehren ist groß.

    Das Fürstenberg Institut ist u.a. als Suchtberatungsstelle anerkannt und kooperiert mit verschiedenen Fachkliniken. Herr M. wird durch seine Beraterin in eine entsprechende Einrichtung vermittelt. Im Anschluss an den Klinikaufenthalt sind weitere Gespräche im Fürstenberg Institut zur Nachsorge und zum Wiedereinstieg in den Beruf geplant. In diesem Zusammenhang ist auch ein gemeinsames Gespräch mit dem Vorgesetzten geplant.

  • Herr R. (50, zwei Kinder 6 und 12) fühlt sich in einer ausweglosen Situation.

    Seine Frau droht ihm mit Rauswurf, weil er nur noch arbeitet. Außerdem ist er sich nicht sicher, ob die Ehe überhaupt noch intakt ist, emotional hat er sich bei dem ganzen Alltagsstress bereits von seiner Frau entfernt, sie sich auch von ihm. Geredet wird nur noch über Probleme und die Kinder, wenn sie überhaupt sprechen.

    Seine Mutter, die von seiner Frau abgelehnt wird, wird pflegebedürftig, Geschwister, die ihn unterstützen könnten, hat er nicht. Bei der Arbeit ist er unkonzentriert, alles fällt ihm schwer und dauert länger. Er fährt oft aus der Haut, auch zu Hause. Der Arzt hat Bluthochdruck und diagnostiziert, er bekommt Tabletten dagegen. Außerdem hat er zugenommen und droht an Diabetes zu erkranken. Er weiß keinen Ausweg mehr, es wächst ihm alles über den Kopf.

     

    Herr R. entscheidet sich für eine Face-to-Face-Beratung im Fürstenberg Institut. Im Erstgespräch wird deutlich, dass er sich in einer akuten Überlastungssituation befindet, die zum einen auf seine Eheprobleme und zum anderen auf die Pflegesituation seiner Mutter zurückzuführen ist. Die Gereiztheit, der erhöhte Bluthochdruck sowie die Konzentrationsschwierigkeiten zeigen, wie sehr die derzeitige Lebenssituation Herrn R. sowohl psychisch als auch physisch belasten.

    Um die drohende Diabetes einzugrenzen, vermittelt die Fürstenberg Beraterin Herrn R. zunächst den Kontakt zu einer Ernährungsberatung bei einem Diabetologen.

    Dann wenden Beraterin und Klient sich den psychischen Herausforderungen zu. Die Beraterin ermuntert Herr R. im Beratungsgespräch seinen Blick zunächst auf seine eigenen Ressourcen zu richten und zu schauen, was er in den letzten Wochen und Monaten geleistet hat. Herr R. wird sich der Doppelbelastung von Familie, Pflege und Beruf bewusst. Die Anerkennung der eigenen Leistung und des eigenen Engagements unterstützt ihn, die aktuelle Situation zu akzeptieren. Er ist stolz darauf, schon so lange durchgehalten zu haben und erkennt, dass er jetzt aber handeln muss, um nicht in eine weitere Abwärtsspirale zu kommen.

    Die Beraterin initiiert im Gespräch eine Rück-Besinnung auf kritische Zeiten in der Vergangenheit und fragt gezielt, wie diese gemeistert wurden. Damit richtet Herr R. seinen Blick auf seine Stärken und Kompetenzen und stärkt somit seine Zuversicht für die Bewältigung der aktuellen Situation. Dabei fallen ihm neue Lösungen bzw. Handlungsoptionen für die jetzige Situation ein.

    Mit einer lösungs- und zielorientierten Haltung vereinbaren Herr R. und die Beraterin kleine realisierbare Schritte für die nächste Zeit und versuchen, eine Vielzahl von möglichen Handlungsoptionen in den Blick zu nehmen. Um psychisch und physisch wieder ins Gleichgewicht zu kommen könnten Herrn R.  beispielsweise sportliche Aktivitäten, Hobbies oder Treffen mit Freunden helfen. Körperentspannungsübungen wie Progressive Muskelentspannung und Achtsamkeitsübungen könnten ihn unterstützen, innerlich wieder zur Ruhe zu kommen.

    Zu Beginn eines jeden Gesprächs im Fürstenberg Institut bewertet Herr R. auf einer Skala von 1-10 wo er sich bezogen auf sein Wohlbefinden gerade befindet und stellt sich die Frage, was er tun könnte, um beim nächsten Termin einen Punkt mehr auf der Skala nach oben zu erreichen. Das motiviert ihn, die geplanten Schritte in die Tat umzusetzen.

    Die Beraterin bietet darüber hinaus an, dass Herr R. gemeinsam mit seiner Frau die Paarberatung des Fürstenberg Instituts in Anspruch nehmen könnte. Diese bietet dem Ehepaar einen geschützten Rahmen, um die aktuelle Situation mit einem Paarberater aufzuarbeiten.

    In der Einzelberatung könnte Herr R. parallel für sich daran arbeiten, herauszufinden, was ihm bezüglich seiner Ehe wichtig ist und wie er selbst diese fortführen möchte.

    Auch seine Frau könnte sich in einer Einzelberatung im Fürstenberg Institut mit diesen Fragen auseinandersetzen.

    Um die Pflege der Mutter zu organisieren, könnte sich Herr R. an den Work-Life-Service (WLS) des Fürstenberg Instituts wenden, sofern sein Unternehmen diese Dienstleistung mit gebucht hat. Ist das Unternehmen kein WLS Kunde, empfiehlt die Beraterin Herrn R. an einen wohnortnahen Pflegestützpunkt.  Neben einer Pflegeberatung gibt es hier auch die Möglichkeit, sich einer Angehörigengruppe von Pflegebedürftigen anzuschließen. Der Austausch mit anderen betroffenen Familien wird oftmals als sehr entlastend wahrgenommen.

    Im Verantwortungsbereich von Herrn R. liegt die Entscheidung, was ihm auf ihren Weg zur Lösung des Problems hilfreich erscheint, welche zieldienlichen Denk- und Handlungsoptionen er auswählt und welche Ressourcen er dafür einsetzen kann und möchte.

    Die Gestaltung des Beratungsprozesses zielt drauf ab, einen kommunikativen Rahmen zu gestalten, der respektvoll und interessant genug ist, damit ein Austausch von Ideen stattfinden kann, der es dem Klienten ermöglicht, neue Perspektiven zu entdecken.

  • Zwischen Frau M. und ihrer Büronachbarin Frau Z. ist die Stimmung angespannt. Inzwischen sprechen die beiden nicht mehr miteinander. Die Vorgesetzte Frau D. wurde bereits um Hilfe und Konfliktlösung gebeten, ist aber zunehmend genervt, von den Kleinigkeiten, über die die beiden Mitarbeiterinnen sich streiten und der Erwartungshaltung, dass sie immerzu schlichtet. Frau D. wendet sich an einen Führungskräfteberater des Fürstenberg Instituts.

     

    Im Rahmen einer Auftragsklärung wird mit der Führungskraft herausgearbeitet, was ihr Anliegen bezüglich des oben genannten Teamkonflikts ist. Zum einen besteht die Möglichkeit, die Vorgesetzte in ihrer Rolle bei der internen Konfliktbearbeitung zu unterstützen oder zum anderen die Möglichkeit, dass das Fürstenberg Institut die Konfliktklärung im Rahmen einer Moderation mit den Mitarbeiterinnen übernimmt.

    In der Klärung von Konflikten werden zunächst vordergründige Anlässe und die Hintergründe des Konflikts vom Berater abgefragt. Um eine realistische Einschätzung der Gesamtsituation vornehmen zu können, ist es wichtig zu erfahren, ob bereits geleistete Klärungsversuche missglückt sind und was bereits zur Verbesserung der Situation unternommen wurde.

    Zudem ist es hilfreich eine Einschätzung des Ratsuchenden dahingehend zu erhalten, inwieweit die Beteiligten bereit sind, sich auf die geplante Maßnahme einzulassen. Insbesondere da derzeit überhaupt keine Kommunikation zwischen den Beteiligten mehr stattfindet, ist dies im Vorwege zu prüfen. Wenn es auf beiden Seiten diesbezüglich keine Bereitschaft gibt, könnte es eventuell sinnvoll sein, mit beiden jeweils ein Vorgespräch zu führen, um Bedenken und Fragen zum Prozessablauf zu klären.

    Sollte Frau D. die Konfliktklärung selbst übernehmen wollen, kann die Beratung des Fürstenberg Instituts sie unterstützen, sich auf diese Rolle vorzubereiten. Hierbei müssen Fallstricke wie die Doppelrolle als Vorgesetzte und Moderatorin in den Blick genommen werden. Eine Doppelrolle dieser Art kann auch zu einem Interessenskonflikt führen, da die Vorgesetzte während der Moderation ggf. eigene Ziele verfolgt. Ebenso kann der Berater Frau D. Techniken der Gesprächsführung vermitteln, um sie dabei zu unterstützen, einen geeigneten Gesprächsrahmen für alle Beteiligten zu arrangieren.

    Eine externe Moderation empfinden viele Vorgesetzte als hilfreich, da der Moderator aus einer professionellen Distanz heraus, den Beteiligten allparteilich gegenübertritt. Das bedeutet, dass der Berater den Konfliktparteien gegenüber gleichermaßen Verständnis aufbringt, sich aber auch nicht zu stark mit ihnen identifiziert. Ebenfalls von Vorteil ist, dass sich ein externer Moderator vollumfänglich auf die Prozesssteuerung konzentrieren kann und sich die Konfliktbeteiligten auf ihre Themen und Inhalte konzentrieren können.

    Sollte die Klärungshilfe durch das Fürstenberg Institut gewünscht sein, werden die Ziele und Erwartungen des Vorgesetzten an den externen Moderationsprozess geklärt und allen beteiligten Personen zu Beginn des Prozesses transparent dargelegt.  Frau D. formuliert im Vorwege, was sie von den Kolleginnen bezüglich ihrer Zusammenarbeit erwartet.

    Nachdem das Vorgehen festgelegt wurde, treffen sich alle am Konflikt Beteiligten und werden jeweils gebeten, ihre subjektive Sicht zum Konflikt darzulegen. Da es sich in diesem Fall um viele Kleinigkeiten handelt, wird der Moderator das Gespräch strukturieren und visualisieren.

    Durch die Gestaltung und Steuerung des Gesprächsablaufs kann der Moderator dazu beitragen, eine Eskalation zu verhindern und einen geschützten Rahmen zu schaffen, in dem Lösungsoptionen entwickelt werden. Hierbei hat der Moderator immer die sachliche Ebene zur Erreichung des Teamziels vor Augen. 

    Die Gestaltung des Gesprächsverlaufs erfolgt aus einer ressourcen- und lösungsorientierten Haltung. Der Moderator richtet seinen Blick immer wieder darauf, was zur Klärung des Konflikts hilfreich ist. Ziel ist es, die Problemtrance zu überwinden. Gelingt es den beiden Kolleginnen beispielsweise in der Konfliktmoderation, sich über ihre Themen wieder konstruktiv zu verständigen, spiegelt der Moderator diesen Entwicklungsschritt den Beteiligten zurück.

    Entscheidend ist, dass im Moderationsprozess auch Verabredungen über die zukünftige Zusammenarbeit festgelegt werden. Im Rahmen einer Nachsorgephase kann eine Begleitung und Überprüfung des Transfers in den Berufsalltag vorgenommen werden.

  • Herr M., 47 Jahre alt, ist in einer führenden Position tätig. Er ist verheiratet und hat zwei jugendliche Kinder. Er kommt mit seiner Frau in die Beratung und schildert folgendes Problem: Er sei beruflich stark eingebunden und deshalb abends immer erst sehr spät zuhause. Manchmal müsse er auch am Wochenende arbeiten. Seine Frau mache ihm starke Vorwürfe, weil sie sich mit allem, so auch mit den Problemen der jugendlichen Kinder, von ihm allein gelassen fühle. Sie habe schon von einer Trennung gesprochen, wenn sich der Zustand nicht ändere. Durch die daraus resultierenden Streitereien habe er manchmal schon gar keine Lust mehr, nach Hause zu kommen und bleibe dann lieber extra länger im Büro.

    In der Beratung machen sich die Ehepartner zunächst gegenseitig für die Probleme verantwortlich: „Wenn du nicht so viel arbeiten würdest“, „Wenn Du mir nicht immer Vorwürfe machen würdest“. Nach dem ersten Gespräch machen sich sowohl Herr M. als auch seine Frau Gedanken darüber, was sie jeweils selbst bereit sind, zu verändern. Dies setzen sie im weiteren Verlauf der Beratung recht konsequent um:

    • Herr M. analysiert seinen Arbeitsstil, nimmt Umstrukturierungen vor und arbeitet mit weniger Zeit trotzdem effektiver. Er macht öfter früher Feierabend, nimmt sich dann aber nicht nur Zeit für seine Frau und die Kinder, sondern geht gelegentlich in die Sauna oder treibt Sport.
    • Frau M. wird klar, dass sie ihr Leben zu sehr auf ihren Mann konzentriert hat und nutzt die Zeit, in der ihr Mann nicht zuhause ist, mehr für eigene Aktivitäten.
    • Es gelingt dem Paar, dass wenn Herr M. abends von der Arbeit zurückkommt, er sich bei Bedarf eine kurze Ruhezeit gönnen kann, ohne sofort von allen Familienmitgliedern „beansprucht zu werden“ – danach ist er im Regelfall offener für die Familie.

    Das wichtigste Ergebnis der Beratung ist, dass die beiden Ehepartner durch diese zunächst kleinen Veränderungen nicht mehr so häufig Spannungen haben, sondern sich gegenseitig wieder besser zu schätzen wissen. Das beeinflusst die Beziehung und die Atmosphäre zuhause insgesamt positiv.

  • Dieser Eindruck entsteht immer wieder in der Beratung. Unabhängig davon, worum es inhaltlich eigentlich geht: Ein Konflikt scheint ein Zustand zu sein, den man schnellstmöglich beenden sollte oder – noch besser – er tritt gar nicht erst ein. Um Letzteres zu erreichen, zahlen viele Menschen mitunter einen hohen Preis. Doch ein Konflikt birgt immer auch eine Entwicklungsmöglichkeit. Wer die Auseinandersetzung meidet, verschenkt diese wichtige Chance.

    Ein Beispiel: Sandra S. teilt sich mit einer älteren Kollegin das Büro. Die Kollegin hat die Angewohnheit, den ganzen Tag bei offenem Fenster zu arbeiten – Sommer wie Winter. Auf den höflichen Vorschlag, gerne zwischendurch zu lüften, aber ansonsten das Fenster geschlossen zu halten, geht sie nicht ein. Daraufhin bricht ein Streit zwischen den beiden aus, die ältere Kollegin verlässt wütend und türenschlagend das Büro. Sandra S. ist geknickt und beschließt, sich am nächsten Tag zu entschuldigen und das offene Fenster wortlos zu akzeptieren. Hauptsache, es herrscht wieder Frieden. Hätte sie ihren Plan umgesetzt, hätte sie nie die wahren Gründe für den Wunsch nach dem offenen Fenster erfahren. Die ältere Kollegin leidet in geschlossenen Räumen unter einem massiven Gefühl der Enge, was ihr zudem sehr peinlich ist.

    Einen Konflikt nicht zu umgehen, sondern auszuhalten und auszusprechen, kann zu einem Zugewinn an Information führen. Und schließlich ist es ja ein Trugschluss zu glauben, Dinge seien nicht da, nur weil man sie nicht ausspricht. Dann können sie ungeklärt vor sich hin schwelen. Bleibt die Frage, was besser ist: Drückende Schwüle oder ein reinigendes Gewitter. Konflikt und Streit gehören zum Leben dazu. Vielleicht ist das manchmal unangenehm. Aber für unsere Entwicklung wichtig.

In­ter­­na­tio­nal

Suche

Login

Exklusiver Bereich für unsere Kunden

Als exklusiven Service für unsere Kunden stellen wir Ihnen eine spezielle Auswahl weiterführender Informationen und Material zum Download bereit. Loggen Sie sich bitte mit Ihren Benutzernamen und aktuellem Passwort ein.

Dieser Inhalt ist passwortgeschützt.

Sie können die Login-Daten einfach nicht finden? Klicken Sie hier.

Kontakt

ContactLayer Image

Cookie-Einstellungen

Wir nutzen Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzung unserer Webseite zu ermöglichen und unsere Kommunikation mit Ihnen zu verbessern. Wir berücksichtigen Ihre Auswahl und verwenden nur die Daten, für die Sie uns Ihr Einverständnis geben.

Diese Cookies helfen dabei, unsere Webseite nutzbar zu machen, indem sie Grundfunktionen wie Seitennavigation und Zugriffe auf sichere Bereiche ermöglichen. Unsere Webseite kann ohne diese Cookies nicht richtig funktionieren.

Diese Cookies helfen uns zu verstehen, wie Besucher mit unserer Webseite interagieren, indem Informationen anonym gesammelt werden. Mit diesen Informationen können wir unser Angebot laufend verbessern.

Diese Cookies werden verwendet, um Besuchern auf Webseiten zu folgen. Die Absicht ist, Anzeigen zu zeigen, die relevant und ansprechend für den einzelnen Benutzer und daher wertvoller für Publisher und werbetreibende Drittparteien sind.